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Was du am Kühtai, Brenner, Jaufen & Timmelsjoch treten musst, um vorne mitzufahren oder nicht vom Besenwagen kassiert zu werden!

by Daniel

Gute 230 km und über 5.000 Höhenmeter. Wer den Ötztaler Radmarathon finishen möchte, muss diese vier Pässe bezwingen: Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch. Wie viel Schmackes du auf die Kette bringen musst, um vorne mitzufahren oder um nicht vom Besenwagen kassiert zu werden – die Antworten gibt es in diesem Text.

Anstiege Ötztaler Radmarathon

Eigentlich ist der Ötzi ja ein recht simpler Kurs!

Etwas über 230 km lang, dreieinhalb süße Berge drin.

Pauschale Pacingstrategie?

Fahre immer dein Tempo, pass nur auf, dass du möglichst viele Körner bis zum Timmelsjoch sparst. Dann Feuer frei. All out und gib ihm!

Vorm Ötzi jetzt am Wochenende habe ich mich ein bisschen in der Community nach den gängigen Erfahrungen zum epischen Radmarathon mit über 5.000 Höhenmetern umgehört.

Und?

Hängen bleiben vor allem die 5.000 Höhenmeter und die Bezeichnung… „eigentlich“.

Eigentlich. Auch so ein Wort, das ich sehr ungerne höre.

Denn, wenn ich mich auf so einen Wahnsinn wie den Ötzi einlasse, dann will ich zu 100% wissen, was mich da unten in Sölden und oben auf den Gipfeln auf über 2.000 m Höhe erwartet.

Ohne eigentlich, vielleicht, möglicherweise und andere Verklausulierungen.

Klar, das Wetter, überambitionierte Mitfahrer, die bereits kurz nach dem Start austilten oder persönliche Befindlichkeiten wie die Gesundheit, das kann man nicht zu 100% beeinflussen – die dreieinhalb Anstiege, die sich einem in den Weg stellen, die kann man sehr wohl analysieren und folglich seine Pacingstrategie ableiten.

Ziel: Dummheiten vermeiden! Spaß haben!

Topfahrer Robert Petzold gab mir in einem Telefonat den einen oder anderen sehr hilfreichen Tipp – und mit Coach und Velon-Datenexperte Philipp Diegner nahm ich die Hauptgegner auf Strava unter die Lupe:

– Kühtai
– Brenner
– Jaufenpass
– Timmelsjoch

Damit sollten wir doch gut gewappnet sein.

Fragestellungen:

– Eckwerte der Anstiege (hm, ø Steigung, Rampen etc.)
– wie flott sind die schnellsten?
– wie schnell musst du mindestens sein, damit kein DNF droht?

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1) Der Kühtai Anstieg

Ein von @marioxxx geteilter Beitrag am


– Start bei Kilometer: 31
– Länge: 18 km
– Höhenmeter: 1.156
– ø Steigung: 6,4%

Der erste Brocken, der sich den Teilnehmern des Ötzis in den Weg stellt, ist der Anstieg zum Kühtai. Gut 1.100 Höhenmeter für die noch frischen Männer und Frauen in Lycra. Für den Vorjahresvierten Robert Petzold (7:04:11 Stunden) ist das Kühtai, isoliert betrachtet von den reinen Zahlen her, gar der schwerste Anstieg des gesamten Kurses: „Sehr unrhythmisch, steile Rampen bis zu 18%, und dann wieder Flachpassagen“, die es schwer machen, einen guten Rhythmus zu finden.

Wie schnell sollte man den Anstieg fahren Robert Petzold?

„Ich rate keinem, das Kühtai an der FTP zu fahren, da sollte man deutlich drunter fahren. 80% der FTP ist ein sehr guter Richtwert.“

Was sollte man bei der Anfahrt zum Kühtai beachten?

„Das Schwierigste beim Ötzi ist eigentlich der Start und die Abfahrt nach Oetz runter: Hektik, viele wollen nach vorne fahren. Das große Ziel sollte daher sein, dass man heile nach Ötz runter kommt.“

Zudem ist es morgens noch sehr kalt. Wie ziehst du dich an?

„Wenn es am Morgen des Ötzis, nach aktueller Prognose ca. 12 Grad hat, dann werde ich eine kurze Hose anziehen, ein Unterhemd, kurzes Trikot und Armlinge. Spätestens ab Innsbruck wird es dann so warm, dass man keine Weste oder Ähnliches mehr braucht.“

Noch einen Tipp gegen die Kälte beim Start?

„Stopft euch eine Zeitung vor die Brust, damit habt ihr etwas Schutz vor der Kälte in der Abfahrt runter nach Ötz.“

Philipp Diegner über den Kühtai-Anstieg 

Das Kühtai ist alle Jahre wieder der schnellste Anstieg des Ötztalers – einfach, weil er als erstes auf dem Programm steht. Die Beine der Teilnehmer sind noch frisch und alle versuchen möglichst weit vorne in die Abfahrt Richtung Brenner zu gehen.

Die stärksten Fahrer sind hier noch bei fast 5w/kg im Schnitt und brauchen für den Anstieg etwas weniger als eine Stunde: Auf eine Länge von mehr als 17 km und knapp 7 % Steigung. Damit bewegen sich die besten Amateure knapp 10-15 % unter ihrer Schwellenleistung. Das ist sogar schon deutlich mehr als bei den meisten Hobbyfahrern, die nicht so lange nahe ihrer IANS fahren können, wenn sie noch 6-8 Stunden Wettkampf vor sich haben. (Siehe Robert’s Kommentar zu den 80% als Empfehlung)

Generell gilt: Beim Ötztaler sollte man sich niemals im “roten Bereich“ über der Schwelle bewegen.

Denn damit verbraucht man Energie, die man im Laufe des Rennens nicht wieder aufladen kann.

Bestzeit 2016:

Bernd Hornetz (GER)
Zeit: 56:42min
Geschwindigkeit: 18.4km/h
Leistung: 311w (4.94w/kg)

Hornetz setzte mit einer starken Leistung am Kühtai die Grundlage für den Sieg. Die ersten 3 km fährt er gar mit 351 Watt – das sind für ihn 5.57 W/kg.

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Die absolute Bestzeit hält Jedermann-Star Klaus Steinkeller (AUT) mit 54:05 Min. Dabei leistete er circa 338 w (5.04 W/kg – etwas Ungewissheit über die genaue Wattleistung, da das Signal für 30s abbrach). Diese Zeit fuhr er jedoch in völlig ausgeruhtem Zustand außerhalb eines Wettkampfs.

Anstiege Ötztaler Radmarathon

2) Der Brenner-Anstieg beim Ötzi

– Start bei Kilometer: 84
– Länge: 35,9 km
– Höhenmeter: 797
– ø Steigung: 2%

Der Brenner ist zwar mit 2,1 % Steigung nicht so beeindruckend, wie die anderen Pässe, aber mit 35,9 km Länge ist er ein echter Test.

„Extrem wichtig ist es, am Brenner eine gute Gruppe zu finden!“ Robert Petzold trifft den Nagel auf den Kopf. Denn bei einer solch moderaten Steigung ist der Effekt des Windschattenfahrens noch sehr relevant.

Daher gilt: Vermeidet überlange Phasen im Wind. Das kostet unnötige Kraft, die bei den echten Klettertests später benötigt wird. Vor allem wenn der Wind von vorne kommt!

Im Idealfall sieht man hier Geschwindigkeiten jenseits der 30 km/h und Leistungen über 4 w/kg.

2016 Zeit:

Bernd Hornetz (GER)
Zeit: 1:07:22 Stunden
Geschwindigkeit: 31,9 km/h
Leistung: 273w (4,33 w/kg)

3) Jaufenpass 

 

– Start bei Kilometer: 139
– Länge: 14,7 km
– Höhenmeter: 1.075
– ø Steigung: 7,3%

Der Jaufenpass ist zwar nicht der längste Pass beim Ötztaler, aber mit 7,3% Steigung und keiner wirklichen Pause ein gnadenloser Test, ob die Beine auch nach fast 140 km noch mitmachen.

„Am Jaufenpass und Timmelsjoch ist man über jedes Prozent froh, dass man am Kühtai gespart hat!“ Robert Petzold weist nicht ohne Grund auf die Schwierigkeit dieses Anstiegs hin – denn hier brechen sehr viele Fahrer ein.

Denn nach 4-6 Stunden Fahrtzeit kommt man an die Grenzen der Ausdauerfähigkeit. Insbesondere die Teilnehmer, die am Kühtai falschen Ehrgeiz an den Tag gelegt haben, werden ihren Übereifer spätestens jetzt bemerken – ebenso die Tatsache, dass nach dem Jaufenpass noch knackige 52 km mit über 1.600 Höhenmetern auf dem Speiseplan stehen. Lecker.

Allgemein sieht Coach Philipp Diegner hier schon deutlich geringere Leistungswerte als noch zu Beginn am Kühtai – sowohl bei den Topfahrern als auch weiter hinten im Feld.

Bei Bernd Hornetz waren es im Vorjahr knapp 4,7 W/kg für 52 Minuten. Sollte jemand noch in der Lage sein, 5 W/kg zu leisten, wäre ihm eine Spitzenplatzierung sicher!

Tipp vom Coach:
Wichtig ist am Jaufenpass eine stetige, nachhaltige Pace. Dazu ist der sehr konstante Anstieg besonders geeignet.

Bestzeit Ötztaler 2016:

Bernd Hornetz (GER)
Zeit: 51:53min
Geschwindigkeit: 17.0km/h
Leistung: 295w (4.68w/kg)

Strava KOM:

Michael Spögler (ITA)
Zeit: 44:05 Minuten 
Geschwindigkeit: 19.9km/h
Leistung: 403W (ca. 5.3W/kg im Training)

4) Timmelsjoch am Ende

 

– Start bei Kilometer: 173
– Länge: 26,5 km
– Höhenmeter: 1.640
– ø Steigung: 6,2%

Das dicke Ende kommt zum Schluss.

Das Timmelsjoch ist der ultimative Test für die Zähigkeit der Teilnehmer beim Ötztaler Radmarathon: 26,5 km bergauf, und das nach 175 km im Sattel – das bringt wirklich jeden ans körperliche Limit. Die stärksten Fahrer, genauso wie all diejenigen, die weiter hinten um eine persönliche Bestleistung kämpfen.

Wenn ihr hier noch flüssig treten könnt, dann habt ihr alles richtig gemacht.

Der Anstieg besteht aus zwei Stufen mit je über 7% Steigung und einem flacheren Stück nach etwa 15 km. Die schnellsten absolvieren den Pass in etwas unter 1:30 Stunden mit immer noch deutlich über 4 W/kg. Nur wer seine Leistungsfähigkeit einigermaßen halten kann, fährt um einen Platz in den Top 10 mit.

Bestzeit 2016:

Bernd Hornetz (GER)
Zeit: 1:27:42 Stunden
Geschwindigkeit: 18,2 km/h
Leistung: 271w (4,30 W/kg)

Im letzten Jahr waren es 4,3 W/kg von Marathonspezialist Hornetz, die für den Sieg reichten. Besonders stark war seine Leistung auf den ersten 5,5 km des Timmelsjochs, als er mit 298 Watt bzw. 4,73 W/kg mit harter Pace in die letzte Prüfung hineinfährt.

Strava KOM

Roel Paulissen (BEL)
Zeit: 1:24:22
Geschwindigkeit: 18,9km/h
Leistung: 306 W (ca. 4,71W/kg, Ötztaler Testride)

Klaus Steinkeller (AUT)
Zeit: 1:23:50
Geschwindigkeit: 19.0km/h
Leistung: 303 W (4.52W/kg)
=> Hinweis: Das ist seine Nettofahrzeit, jedoch mit 2 Min. Pause in der Mitte

Tipp vom Coach für das Timmelsjoch:

Hobbyfahrern sei empfohlen, von Anfang ein Tempo zu wählen, dass sie für den ganzen Anstieg aufrechterhalten können. Wenn auf den letzten Kilometern doch noch mehr geht, kann man immer nochmal beschleunigen. Wer hier aber vorzeitig einbricht, kann sehr viel Zeit verlieren.

Anstiege Ötztaler Radmarathon

Besenwagen Zeiten

Mit diesen Kletterleistungen kommt ihr ins Ziel – solange sonst alles gut geht!

Kühtai

  • 1:45 – 1:50 Stunden
  • 150 – 200 w
  • 2,1 – 2,25 w/kg
  • 9,5 – 10 km/h

Jaufenpass

  • 1:45 -2:00 Stunden
  • 140-200 w
  • 1,95-2,2 w/kg
  • 7,4-8,5 km/h

Timmelsjoch

  • 3:20 – 4:00 Stunden
  • 110 – 190 w
  • 1,5 -2,0 w/kg
  • 6,6 – 8,0 km/h

*Werte basieren auf Zeiten der letzten Jahre und einer Schätzung der dafür benötigten Wattwerte für Fahrer zwischen 65 – 80 kg.

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Zur Person: Philipp Diegner

Philipp Diegner

  • Sportwissenschaftler und Certified Sports Nutrionist
  • Master of Science (MSc) in Sports and Health Sciences (University of Exeter)
  • Spezialisiert auf Trainingsplanung und Leistungsanalyse, insbesondere im Radsport
  • Coaching diverser Elite-/Cat-1 Athleten in Deutschland/International
  • Dienstleistung SevereCoaching
  • Autor und Trainingsexperte, u.a. für die RennRad-Zeitschrift und Zwift
  • Datenexperte bei Velon UK

(c) Fotos im Artikel: Ötztal Tourismus

Weiterführende Links zum Ötzi:
– Zahlen, Daten & Fakten zum Ötztaler Radmarathon (Link)
– Carbo-Loading Tipps von Dr. Feil (Link)
– Sieger Bernd Hornetz im Interview (Link)
– mein Kommentar zum Hornetz Sieg in 2016 (Link)
– Nadja Prieling fuhr den Ötzi 10 Mal in 10 Tagen (Link)
– Ex-Moderator Othmar Peer über den Ötzi (Link) + (Link)
– aktuelles Interview mit Emanuel Nösig, 2. beim Ötzi in 2014 (Link)

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1 comment

Lieblingsblogs Folge 83 - Coffee & Chainrings 30. August 2017 - 20:15

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