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Warum ein TSS von fast 400 im untrainierten Zustand gar nicht mal so geil ist!

by Daniel

Übermotivation, eine zu gute Gruppe bei zu schlechter Fitness oder vermeintlich arrogante Rapha-Triathleten mit sündhaft teuren Zeitfahrmaschinen. Es gibt einige Gründe manchmal über seinen Möglichkeiten zu fahren und Trainingsstress (TSS) zu sammeln. Im untrainierten Zustand waren es neulich sogar fast 400 TSS-Punkte. Gar nicht mal so schlau.

TSS (Training Stress Score)

TSS auf dem Wahoo Elemnt Bolt

Leute, Leute, passt auf euch auf!

Eigentlich hatte ich ja gar nicht vor, von dieser eigentlich als unspektakulär gedachten Ausfahrt (siehe Strava) zu berichten, was mir aber im Nachgang passierte, war nicht nur super unangenehm, es sollte mir auch eine ordentliche Lehre sein:

Und zwar, höre auf dein Herz, lass dich nicht von falschem Ehrgeiz verleiten, mit viel zu starken Fahrern über deine Grenzen zu gehen. Bleib bei dir!

Denn das kann gerne auch mal in die Hose gehen. Wir alle haben noch vor Augen, was mit Michael Goolaerts bei Paris–Roubaix passierte.

Gesundheit ist das Allerwichtigste!

Zu viel TSS (Training Stress Score) macht Aua!

Als ich aus der Dusche trete, merke ich, dass heute irgendwas anders ist.

Ihr kennt das vielleicht?

Diesen Unterschied zwischen einem geilen, gesunden Platt und einem Platt, das sich scheisse, ungesund, eklig anfühlt?

Das schöne Platt ist, wenn die Beine ordentlich schmerzen, du kannst kaum die Treppen runter gehen, der Rest des Körpers ist zwar mega im Sack, aber man fühlt sich grundsätzlich gut. Endorphine durchströmen den Körper – man ist beseelt von einem Glücksgefühl. Oftmals auch Hunger. Du könntest jetzt ein halbes Schwein essen, vier Bier exen und für 72 Stunden am Stück schlafen.

Das ungesunde Platt ist anders. Weniger schön. Mehr schummerig, schwitzig und meist auch ein bisschen panisch. Die Welt dreht sich. Und zwar nicht so, wie ich das jetzt gerade will. Der Körper sagt dir, dass etwas nicht stimmt.

Warum tust du mir diesen Stress an?

Nach einer viel zu langen Trainingspause (Null Training!) über den Winter, in der ich erstmals kein Zwift gefahren bin und einer anschließenden 6-wöchigen Elternzeit in Thailand mit zu gutem und vor allem zu viel asiatischem Essen (erneut null Training!) bin ich seit überschaubaren 2-3 Wochen mit viel zu viel Gewicht auf dem Rad.

„Im Training“ will ich es nicht nennen, dafür betreibe ich es nicht strukturiert genug.

In diesem Jahr möchte ich einfach was gegen die Plauze und für meinen Stoffwechsel tun, hin und wieder natürlich auch mal einen rausrotzen, das eine oder andere Rennen oder Zeitfahren, wie den KOTL, fahren, das Ganze aber wirklich mit sehr hohem Spaßfaktor – ohne Strategie und Akribie.

Das kommt früh genug wieder. Vielleicht ja schon nächstes Jahr.

Learning: Fahre in deinem Bereich

Als mich Jonas fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und seinen übertrainierten Konsorten nach Bad Tölz zu fahren, sagte ich spontan zu. Schließlich wartete im Alpenvorland ein lecker Espresso mit traumhaftem Alpenblick.

Easy Tour. Kein Stress. Schön sutsche.

Als ich die Worte auf meinem Handy las, lief ich Gefahr, mich bereits vor Lachen an meinem Kaffee zu verschlucken. Easy, Spaß und Kaffee in einer Zeile mit diesen Heißdüsen?

Nee, is klar.

Easy kennen die meisten Radsportler nicht. Ab einem gewissen Punkt eskalieren solche Ausfahrten immer. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass deren Easy aktuell mein Fightmode ist?

Ich denke aber das Thema ist grundsätzlich bekannt…

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Kaum eine Ausfahrt, bei der man nicht an irgendeiner Stelle ruhig und bedacht bleibt. Hier ein E-Bike, dass dich überholt, da ein Anstieg, wo man mal wieder zeigen will, was man draufhat oder natürlich die geschätzten Triathlonkollegen mit über 10.000€ Zeitfahrrädern – am besten noch in Rapha und ohne Grüßen.

Fightmooooode!

via GIPHY

Aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht gibt es dazu demnächst mal einen Artikel.

Um das Thema nicht zu überstrapazieren, mache ich es kurz.

134 km bei 4:27 Stunden Fahrtzeit und einem ø Puls von 148 (siehe Strava).

An sich nicht sonderlich schlimm, beim Ötzi hatte ich bei knapp 10 Stunden Fahrtzeit einen ø Puls von 156, beim harten GFNY D bei fast 5 Stunden Fahrtzeit sogar heftige 163 Herzschläge pro Minute.

Mein Herz hat im Laufe meines Sportlerlebens gelernt, viel und hart zu arbeiten, es verträgt hohe Belastungen. Mit knapp 40 Jahren liegt mein Maximalpuls bei noch sehr hohen 193 Schlägen. Das ist viel. Vielleicht mein Glück an diesem Samstag.

Jetzt komme ich zum Kern dieses Artikels:

Gesund ist nur, was man dem Herzen langsam antrainiert

Nach so wenigen Trainingseinheiten, seinen Organismus, weil man gerade jückig ist wie ein läufiger Hund, wieder so hart zu belasten, ist nun wirklich überhaupt nicht schlau! Es ist gefährlich, es fühlt sich hinterher scheisse an, es kann auch mal böse in die Hose gehen.

Michael Goolaerts war sicherlich ein anderer Fall, der junge Kerl war austrainiert ohne Ende, aber sein Herz wollte aus einem bestimmten Grund nicht mehr schlagen. Beispiele von Fußballern sind bekannt, die auf dem Platz umfallen und sterben.

Im Eifer des Gefechts wird auch mal ein Infekt ignoriert, trotzdem trainiert. Man kann Glück haben, es kann, siehe die eben genannten Beispiele, aber auch böse enden.

Seid bedacht Leute, trainiert euch langsam hoch, lasst euch nicht wie ich von Emotionen verleiten, zu sehr zu schnell über eure Grenzen zu gehen. Bleibt in eurem Bereich. Und hört vor allem auf euer Herz und euren Bauch!

TSS von 375 statt 547

Bei der Bewertung wie hoch der Stress für meinen Körper war, spuckte mir der Wahoo Elemnt Bolt einen TSS (siehe Artikel bei Coffee & Chainrings) von 547 aus, dieser Wert wird aber vermutlich nicht stimmen, da es auf einer falschen FTP basiert, die aktuell bei 240-250w liegen dürfte. Der Elemnt kalkuliert noch mit 220 Watt.

Philipp Diegner fiel jedenfalls aus allen Wolken und war sehr besorgt, als ich ihm von meinem Irrsinn berichtete. Auf Basis einer Schwellenleistung von 245W berechnete er den TSS mit immer noch EXTREM hohen 375 bei 4:37h Fahrzeit!

Nur kurz zum Verständnis, was ein „so hoher“ TSS bedeutet:

Wenn du für eine Stunde an deiner FTP fährst, sammelst du 100 TSS Punkte. TSS von 400-500 sind laut Philipp nicht selten bei heftigen Bergetappen bei der Tour de France, in Ausreißergruppen, oder bei den Klassikern wie Paris-Roubaix und Lüttich-Bastogne-Lüttich.

In meinem Fall jedenfalls viel zu krass, vor allem für einen derzeit nicht ganz so gut trainierten Hobbysportler wie mich, um es mal vorsichtig auszudrücken.

So krass, dass die Rapha Triathleten auch ohne zu grüßen, wieder ungeschoren davonkommen.

Passt auf euch auf!

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