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Tour des Lebens (Lance Armstrong)

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Mein erstes Rennradbuch, welches ich mir Anfang des Jahrtausends gekauft habe. Damals war ich hin und weg und habe jedem in meinem Freundes- und Bekanntenkreis von diesem Buch erzählt. Das Buch bewegt.

Jetzt gute 10 Jahre später hat sich der Wind gedreht. Lance Armstrong ist nicht mehr der Superheld, der er einst war. Niemand trägt mehr quitschgelbe Lifestrong Armbänder. Lance Armstrong ist mittlerweile eine Person non granta im internationalen Radsport. Er und eine Generation weiterer Radfahrer, Ärzte und Funktionäre haben dafür gesorgt, dass der Rennradsport von der öffentlichen Bildfläche verschwunden ist. Früher Sport Nr. 3 oder 4 (hinter Fußball, Tennis und Formel 1) in Deutschland, schafft es Rennrad aktuell wahrscheinlich grad so unter die Top 10. Irgendwo auf einer Höhe mit Wintersportarten wie Biathlon oder Skispringen.

Folglich fallen mir die ersten Worte für diese Buchbewertung recht schwer. Mitte der 90er, dem Tot grade noch so von der Schippe gesprungen, zog er 1999 aus, um 7x in Folge die Tour de France. Wahnsinn denkt man, eine absolute Hollywood-Story. Das zwischenzeitliche Dopinggeständnis und das enthüllte System Lance Armstrong, haben Lance zweifelsohne für immer aus der Rennrad „Hall of Fame“ verbannt. Zu recht.

Das Buch „Tour des Lebens“ erschien 2002 und hat zwei Geschichtsstränge. Zum einen handelt es von Lance Armstrong’s Kampf gegen den Krebs. Sein bis dato härtester Kampf. Mit starken Schmerzen in den Weichteilen kam Lance Armstrong von einer Trainingsausfahrt in Texas heim. Er hatte gerade einen Vertrag beim französischen Team Cofidis unterschrieben. Voller Zuversicht blickte er in die Zukunft. Die Schmerzen, so stellte sich heraus, waren Symptome eines bereits fortgeschrittenen Hodenkrebs. Der Krebs verbreitete sich rasend schnell und schlussendlich war Lance Armstrong’s Körper übersät von Metastasen. Lunge, Gehirn und Hoden waren befallen. An Profisport war in dieser Zeit nicht mehr zu denken. Die Chemotherapie in Indiana rettete ihm schließlich das Leben. Dieser gewonnene Kampf war sicherlich ein enormer mentaler Push für Lance Armstrong. Was konnte ihn jetzt noch stoppen, wenn es noch nicht einmal der Krebs schaffte? Seine Zeit mit mittlerweile 27 Jahren war gekommen.

Der andere Geschichtsstrang im Buch ist Lance Armstrongs Rückkehr in das Peloton. Er, der Amerikaner Lance Armstrong, würde es nun allen europäischen Rennfahrern und Funktionären zeigen. Man muss an der Stelle sagen, dass der Radsport in der damaligen Zeit ein Sport des alten Kontinents, sprich Europa, war. Amerikaner, trotz des früheren Tour de France Gewinners Greg Lemond, galten als Exoten und wurden nicht wirklich ernstgenommen. Motivation pur für Lance Armstrong. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten ein neues Team zu finden, landete Lance Armstrong schließlich im Jahre 1998 beim Team US Postal. Zu der damaligen Zeit ein Außenseiterteam. Der Rest ist Geschichte. Armstrong gewann mit List, Motivation und einem abgekochten Teammanager Johan Bruyneel erstmalig das größte Radrennen der Welt und leitete ein neues Zeitalter ein. Ein dunkles Zeitalter für den Radsport.

Fazit:

Das Buch fesselt. Die Story ist natürlich absolut hollywoodreif. Von der Krebsklinik mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 5% auf das Siegerpodest beim härtesten Radrennen der Welt. Surreal.

Wie zwischenzeitlich enthüllt und gestanden, hat Lance Armstrong betrogen und somit illegal 7x die Tour de France gewonnen. Daher sollte man die sportlichen Errungenschaften relativieren. Der sportliche Held dieser Zeit ist wahrscheinlich ein cleaner unbekannter Fahrer, der die Tour de France in diesen Jahren auf Platz 23 oder noch weiter hinten beendete.

Dennoch – dieses Buch bewegt und zeigt einem, dass man trotz aller Widrigkeiten die Hoffnung nie aufgeben darf. Zu kämpfen, jedoch mit legalen Mitteln, lohnt sich immer.

Meine Meinung:

bewertung-gutMuss man trotz allem lesen. Geht ans Herz!

 

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