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King of the Lake 2016 – besser hätte mein erstes Zeitfahren nicht sein können!

by Daniel

[Anzeige] Das war’s. Mit dem Zeitfahren vom King of the Lake endete am vergangenen Wochenende meine Radsportsaison 2016 in traumhafter Kulisse am Attersee. Ein besseres Ende hätte ich mir auch nicht wünschen können: Kaiserwetter, 48 km abgesperrte Strecke, ein ausverkauftes Event und mit 1:06:27 Stunden (42,8 km/h) eine super Finisherzeit – und das bei meiner ersten seriösen Fahrt auf einem Zeitfahrrad!

King of the Lake Rennbericht

(c) Foto: Sportograf

Meine Fresse bin ich nervös. Es ist 14:30 Uhr. Die ersten Teilnehmer passieren den „Litzlberger Keller“ – unser Hotel am Attersee – und quälen sich mit allem was sie haben den letzten Hügel hinauf. Noch sind sie Teilnehmer, in wenigen Augenblicken Finisher. Noch etwas über einen Kilometer und gerade mal 16 Höhenmeter, dann haben die armen Säue es geschafft. Manche ziehen schwungvoll und mit einer guten Trittfrequenz an meinem Fenster mit Seeblick vorbei, anderen schwappt das Laktat beinahe aus den Ohren. 46 km an der Schwelle haben ihre Spuren hinterlassen: Mit aufgerissenen Mündern und Rotze am Kinn geht’s ins Ziel nach Kammer.

In eineinhalb Stunden bin ich dran. Kurz vor vier ist dann mein Augenblick der Wahrheit gekommen. Kein Verstecken, kein Taktieren – nur das Canyon-Zeitfahrrad und ich. Einer der großen Reize bei diesem Rennen: Es geht NUR um dich! Gerade deswegen hab ich aber auch ein wenig Bammel. Die letzten Härtetests (Trainings bei Strava) in den Tagen zuvor waren jetzt keine wirklichen Heldentaten. Und richtig Zeit gefunden, das Speedmax einzufahren, hatte ich leider auch nicht. Gerade mal 1-2 Stunden saß ich drauf. Egal, weinen kann ich hinterher. Schnell noch den „Starter“ von ultraSPORTS runtergekippt, danach den „Buffer“ für die Flasche angemischt und mal wieder aufs Klo. Bestimmt das „drölfte“ Mal heute. Ich habe aufgehört zu zählen, bin nervös wie ein Schuljunge kurz vor der Kommunion.

1:08 Stunden – wie konnte ich Trottel mich auf diese Wette mit Veranstalter Erwin einlassen? Die Rechnung für dein großes Maul wirst du heute bekommen mein Freund! Ich sehe Erwin schon mitleidig auf meine Schultern klopfen: „Vielleicht nächstes Jahr Junge…“

King of the Lake: Zeitfahren unter Tour-de-France-Bedingungen

King of the Lake Rennbericht

Meine Fresse bin ich im Tunnel. Es ist 15:50 und ich stehe oben auf der Startrampe (Youtube Video). Wie beim Skifahren piept eine Uhr runter und alle 15 Sekunden wird ein Fahrer auf die Reise nach Laktathausen geschickt.

Piep, piep, piep.

Meine Frau und mein Papa sind auch da, per Smartphones – so sehe ich es hinterher – machen sie ein paar Fotos und dieses Video von meinem Start. In dem Augenblick bekomme ich aber nichts mehr mit. Das ist also das, was sie „Tunnelblick“ nennen.

Der Nebel lichtet sich ab Kilometer fünf: Ich habe Seitenstechen. Fuck! Knapp sieben Minuten im Rennen, brennt bereits meine rechte Seite. Ich habe scheinbar zu viel getrunken. Wie früher als kleiner Junge beim Fußball. Mal kurz langsam machen, dann geht’s schon wieder. Aber nicht bei einem Zeitfahren. Was habe ich für Optionen? Simple Antwort: Keine.

Das Garmin zeigt unablässig die 300 Watt vom Stages Powermeter an. Gleichzeitig auch mein Ausblick für die nächste Stunde. Es gab sicherlich schon mal angenehmere Situationen im Leben.

Hilft aber alles nix, weitermachen!

Harte zweite Hälfte beim KOTL 2016

King of the Lake Rennbericht

War es bis dato noch Pianokonzert, geht ab Kilometer 24 – und damit der zweiten Hälfte des Rundkurses – die Metalparty los. Die ersten 24 Kilometer sind weitestgehend flach gepaart mit Rückenwind. Ab der Hälfte dreht sich sprichwörtlich der Wind, welcher nun von vorne ins Gesicht pustet. Zudem gibt es noch sechs Hügel zu erklimmen – mit 13% in der Spitze. Wie gesagt Hügel, nach einer guten halben Stunde an der Schwelle fühlt es sich aber wie Mortirolo oder Stilfser Joch an.

Egal, wenn das Tacho unter 35 km/h fällt, richte ich mich auf und drücke die Hügel mit allem was ich habe. „Berg hoch wird Zeit gut gemacht, bergab fällt es nicht so stark ins Gewicht“, einer der wertvollen Tipps von Jonas Leefmann vorm Rennen. Einige Kilometer später passiere ich dann auch den „Litzlberger Keller“. „Was für eine arme Sau“ – wahrscheinlich steht in diesem Augenblick der Hotelbesitzer oben am Fenster und hat bei meinem Anblick den gleichen Gedanken wie ich ein paar Stunden zuvor. Ich bekomme jedenfalls nichts mehr mit.

Das ist also das, was sie Vorfreude nennen!

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Ich werde es unter den 1:08 Stunden schaffen. Das ist mir in diesem Augenblick klar. „1:05 “ zeigt mir das Garmin oben auf der Kuppe an. Und noch einen guten Kilometer bis ins Ziel. Die 1:08 werde ich also knacken, wie geil ist das denn?!

Mit allem, was in meinem Körper noch drin ist, knalle ich den letzten Kilometer ins Ziel, einmal noch die scharfe Kurve kurz vorm Ziel überstehen und dann per Wiegetritt in Richtung Zielbogen. Es ist einer dieser Momente, an die du zurückdenken wirst, wenn du mal alt bist.

Mit einer fantastischen Zeit von 1:06:27 (42,8 km/h) beende ich mein erstes Zeitfahren beim King oft he Lake – und mit Sicherheit nicht mein letztes Mal.

Das ist also das, was sie Endorphine nennen!

King of the Lake 2016: Mein Fazit 

  • Zeitfahren unter Profibedingungen: Komplett gesperrte Strecke, kein Autoverkehr und Startrampe – mein erstes Zeitfahren hätte nicht besser und organisierter sein können. Um zu verhindern, dass Teilnehmer per Windschattenfahren betrügen, kontrollierten zahlreiche Motorräder die Strecke. Ebenfalls sehr reizvoll war, dass ein paar Profis (wie z.B. Riccardo Zoidl von Trek-Segafredo; 57 min.) in ihrer eigenen Wertung an den Start gegangen sind, um mal eine Vergleichbarkeit der eigenen Leistung zu schaffen
  • Traumhafter Attersee vor der Tür: Mit dem Eddy Merckx Classic und dem Mondsee Radmarathon kannte ich das Salzkammergut bereits. Der Attersee steht den beiden Seen in Nichts nach: Türkisblaues Wasser und Ende September noch warm genug, um auch mal reinzuspringen. Besser geht’s nicht!
  • Sehr gute Strecke: Was macht den Erfolg dieses Rennens aus? Aus meiner Sicht die Kombination von zwei Dingen: 1) Beim King of the Lake handelt es sich um einen Rundkurs um den Attersee, bei dem man zu jederzeit weiß, an welcher Stelle man sich gerade befindet und wie viel Distanz man noch vor sich hat. Zudem ist jedem Teilnehmer bewusst, dass das Rennen eine „gute“ Stunde dauert. Eine Zeit, die jeder an der eigenen FTP fahren kann. Dadurch hat das Rennen eine gewisse Griffigkeit. Schafft man es vielleicht noch ein paar Prozente über der Schwelle rauszukitzeln? Schafft man es überhaupt, die FTP über eine Stunde zu halten? Das waren so die Kernfragen des Rennens…
  • Unangekündigte Dopingkontrollen: Während andere lamentieren und diskutieren hat das OK-Team vom King of the Lake einfach mal gemacht und entsprechende Dopingkontrollen durchgeführt. Interessant ist zu erfahren, wie viele der Teilnehmer erwischt worden sind (s.u. Kurzinterview)
  • Passende Ausrüstung: Man kann das Zeitfahren auch auf einem normalen Rennrad machen, so richtig Spaß macht es aber erst auf einem Zeitfahrrad mit der passenden Ausrüstung. So ein bisschen „Nerd“ muss schon sein! Ein großes Dankeschön an der Stelle an Canyon, Bioracer und Alpina: Toll, dass diese Hersteller mich kurzfristig noch mit dem entsprechenden Material unterstützt haben. Meine Erfahrungsberichte zu den jeweiligen Produkten gibt es in den nächsten Wochen – in kurz hier schon mal: Canyon Speedmax CF: Ein Killergeschoss mit Ultegra Di2 Schaltung und Reynolds Carbon-Laufrädern. Sehr agiles TT-Bike, das mit einem Gewicht von etwas über 8 kg nicht sehr schwer ist. Ich hatte keinerlei Rückenschmerzen oder ähnliches – und das bei meiner ersten richtigen sportlichen Ausfahrt! Die Wattmessung kam von meinem Stages Powermeter. Montage in 5 min. erledigt. Bioracer Speedsuit: Mit den Radhosen von Bioracer habe ich bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Mr. Guilty76 Präsident Florian Jöckel hatte mir von ein paar Monaten bereits eine Radhose zugeschickt, welche mittlerweile tatsächlich zu meinen Lieblingsradhosen gehört. Der Speedsuit passte perfekt; Sitzpolster sehr angenehm. Obacht: Das Ding verzeiht kein Gramm zu viel!! Sieht aber enger aus als es ist. Alpina Sonnenbrille und Zeitfahrhelm: Sehr stylische Brille mit einem „großen“ Glas statt zwei einzelnen Gläsern; sehr angenehmes Licht. Der Zeitfahrhelm war megamäßig leicht. Obacht: Drehst du dich während der Fahrt nach hinten um, merkst du einen schönen Druck am Hinterkopf wegen dem Luftwiderstand der „langen Spitze“. Kenn ich sonst nur von meiner Nase…
  • Renntipp für 2017: Der King of the Lake ist ganz klar einer meiner Renntipps für 2017. Neben der tollen Organisation und dem Reiz des Rennens selbst (s.o.), ist der Zeitpunkt Ende September ideal gewählt. Grund: Viele Teilnehmer hatten ihren Saisonhöhepunkt Ende August beim Ötztaler und standen entsprechend im Saft. Um zu sehen, was diese Form dann wirklich wert ist, ist der King of the Lake wenige Wochen später hervorragend geeignet. Denn wenn man es irgendwo sieht, dann bei einem Zeitfahren! Die Anmeldung selbst öffnet im Februar/März 2017, wer aber sicher gehen will, sein Ticket für 2017 zu bekommen, kann Erwin und seinem Team vorab schon mal eine Mail schicken. Sobald die Anmeldung öffnet, werdet ihr per Mail benachrichtigt: kingofthelake17@atterbiker.at

King-of-the-Lake-Organisator Erwin im Kurzinterview

Erwin, wie fällt dein Fazit zum King of the Lake 2016 aus?
Wir sind total happy. Es ist alles aufgegangen, was wir geplant haben und durch das tolle Wetter ist die Veranstaltung mega gelungen. Es gab keine ungeplanten Zwischenfälle oder Probleme, aber leider einen Sturz, der im Krankenhaus endete. Gute Besserung an der Stelle! Das Startintervall von 15 Sek. ist der volle Erfolg – sowohl für die Athleten als auch die Zuschauer.

Sehr löblich fand ich die Doping Kontrollen. Wie kam es dazu?
Wir denken, dass wir in der Verpflichtung stehen, hier nicht wegzusehen. Jeder Veranstalter, der nicht gerade am Hungertuch nagt, sollte hier ein paar Euros investieren – und ich denke die saubere Masse wird es uns danken. Die Unsauberen, die jetzt nicht mehr kommen, wollen wir eh nicht haben!

Wurden welche erwischt? Wie viele?
Dazu kann ich leider nichts sagen! Die Tests führt die NADA durch und wir als Veranstalter werden dass wahrscheinlich erst in ein paar Wochen erfahren.

Nächstes Jahr muss die 1:04:xx stehen. Deal?
Ganz klar Deal!! War nett, dich getroffen zu haben und zu sehen wie da einer auf den Geschmack kommt! Aber bei 1:04:xx ist die Luft schon recht dünn!

Rennanalyse mit Philipp Diegner

kotl-rennanalyse

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Der King of the Lake war Daniels Saisonhöhepunkt und gleichzeitig Saisonabschluss. Dementsprechend war sein gesamtes Training in den letzten Wochen und Monaten darauf ausgerichtet, seine Stundenleistung zu optimieren. Seit Juni waren wir in der Lage, seine Leistung an der anaeroben Schwelle (IANS/FTP) stetig zu steigern, von 270W auf ca. 325W Mitte September. Wie zuletzt bei den Radmarathons, die er mit Erfolg absolvieren konnte, ging Daniel auch das 47,7km lange Zeitfahren eher konservativ an, um erst zum Ende das Leistungsmaximum abzurufen und einen Einbruch zu vermeiden.

Die Pacingstrategie konnte Daniel relativ gut umsetzten. Er begann mit genau 300W und konnte seine Leistung bis zum Ende steigern. Auf den letzten 5KM reichte es immer noch für 321W, also Wattwerte genau nach Plan. Etwas Zeit verlor er vermutlich im Mittelteil. Im zweiten Drittel des Rennens waren es immer noch erst 301W bei sogar fallender Herzfrequenz (von 171bpm auf 169bpm). Hier hätte er wohl die Belastung noch steigern können: „Ein bisschen Quälen wäre noch drin gewesen“, so Daniels eigene Einschätzung. Vom derzeitigen Potential her wären demnach ca. 65 Minuten Gesamtzeit machbar. Die 1:06:28 mit 42,8km/h , die es am Ende wurden, können sich aber durchaus sehen lassen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der King of the Lake das erste Zeitfahren war, das Daniel jemals bestritten hat. Eine optimierte Sitzposition und die Gewöhnung an hohe Geschwindigkeiten und das „Liegen“ auf dem Lenker können in der Regel signifikante Zeitersparnisse bringen. Mit einem deutlich längeren gezielten Aufbau in der nächsten Saison, wird Daniel noch einige Minuten optimieren können!

Hierfür beginnen wir mit dem Wintertraining im November. In den kommenden Monaten wird dann das Fundament für eine tolle Saison 2017 gelegt. In den letzten 3 Monaten haben wir gezeigt, dass mit der richtigen Balance aus Qualität und Quantität noch mitten in der Saison rasante Fortschritte erzielt werden können. Wird zusätzlich im Winter bereits die richtige Grundlage gelegt, ist bei jedem noch deutlich mehr erreichbar.

Zur Person: Philipp Diegner

Lass dich von Philipp fit für 2017 machen!

Philipp Diegner

  • Sportwissenschaftler und Certified Sports Nutrionist; Master of Science (MSc) in Sports and Health Sciences (University of Exeter)
  • Spezialisiert auf Trainingsplanung und Leistungsanalyse, insbesondere im Radsport
  • Coaching diverser Elite-/Cat-1 Athleten in Deutschland/International
  • Dienstleistung SevereCoaching: fortschrittliche Leistungsdiagnostik, Ernährungsdiagnostik, umfangreiche und persönliche Trainingsplanung

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