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Emanuel Nösig: der 119km/h Mann im Interview

by Daniel

Emanuel Nösig im Interview„Der Wille kann Berge versetzen“ – diese Weisheit belegt der 3-fache Familienvater
Emanuel Nösig eindrucksvoll. Nach einem Autounfall, der ihn für ein halbes Jahr an den Rollstuhl fesselte, wog er mit Mitte 20 unglaubliche 130 kg und wurde nur noch der „Schware“ genannt. An Sport war in dieser Zeit nicht zu denken. Gefrustet von dieser Situation und wild entschlossen sein Leben umzukrempeln, entschied sich Emanuel mit dem ambitionierten Radsport zu beginnen.

Ein Auszug seiner zwischenzeitlichen Erfolge liest sich sehr beeindruckend: Gewinner Eddy Merckx Classic 2014, Gewinner 3 Länder Giro, Gewinner Engadiner Radmarathon, 2. Platz Ötztaler 2014, Gewinner Achensee Radmarathon 2013, Alpencupsieger 2013, Transalp Team 2. Platz, Tiroler Zeitfahrmeister, Gewinner Arlberg Giro 2012, Gewinner Tiroler Bergmeisterschaft 2013…

Doch damit nicht genug – in 2015 geht’s drum, zusammen mit Andi Traxl, dem Team Beraldo um Superstar Roberto Cunico gehörig einzuheizen.. Wer Emanuel kennt, weiß: jetzt wird’s ernst!

Speed-Ville.de: Lieber Emanuel, ich freue mich sehr, dass es mit dem Interview klappt. Die Rennradsaison 2014 ist rum. Wie zufrieden bist du mit der Saison? Was waren in diesem Jahr deine Highlights und was lief ggf. nicht so gut?

…bedanke mich auch, das ich ein Interview geben darf. Bin mit der Saison 2014 natürlich sehr zufrieden, mein größter und eines der wichtigsten Erfolge war natürlich der Ötztaler-Radmarathon, den ich mit einem 2. Platz beenden konnte. Wie jedes Jahr, ist die Tour de Kärnten auch sehr wichtig für mich als Vorbereitung für den Sommer. Auch meine beiden Meistertitel (ÖM-Berg-ÖM-Zeitfahren bei den Amateuren) waren ein Highlight in dieser Saison. Die Trans Alp war auch sehr toll, die ich mit Jörg Randl auf dem 5. Platz beenden konnte.

Am Anfang der Saison ist es nicht ganz so gelaufen wie ich es geplant hatte, aber im gesamten ist die Saison für mich grandios gelaufen.

Speed-Ville.de: Anfang September wurde bekannt, dass du zusammen mit Andi Traxl für 2015 ein neues Rennteam planst. 5 Mann soll es stark sein. Wie ist der aktuelle Status für Euer Team? Stehen die Sponsoren und Medienpartner? Habt ihr alle Teamfahrer beisammen? Was hat Andi und dich bewogen diesen Schritt zu gehen? Wollt ihr Kräfte bündeln gegen das Team Beraldo?
Ja, das ist richtig, wir haben das Team fast komplett , es werden auch 2 sehr starke Frauen bei uns fahren. Sponsoren haben wir auch schon einige, sind aber noch mit anderen in Verhandlung. Andi und ich hatten schon seit einigen Jahren so eine Idee. Da auch andere das super fanden haben wir heuer diesen Schritt gewagt. Da ich natürlich schon in einem sehr starken Team Union-Sporthütte die letzten 4 Jahre fahren durfte, ist das neue Team eine neue Herausforderung für mich. Dem Team Beraldo das Zepter in Österreich aus der Hand zu nehmen, wird sehr schwierig für uns, jedoch ist es nicht unmöglich, wie ich finde ;)

Emanuel Nösig im Interview

Speed-Ville.de: Dein 2. Platz dieses Jahr beim Ötztaler ist aus meiner Sicht eine sehr, sehr starke Leistung für dieses extrem berglastige Rennen. Ich verneige mich zutiefst. Dein Gewicht mit ca. 80kg Gewicht ist im Vergleich zur Konkurrenz ein nachteiliger Faktor. Das bedeutet aber auch, dass deine Kraft in den Beinen enorm groß ist. Was kannst du auf Dauer an max. Watt treten? Nach meiner Berechnung müsste deine max. Dauerleistung zwischen 400 und 440 Watt liegen… Wie schaut dein Training diesbezüglich aus? Trainierst du vorwiegend wattgesteuert? Beschreibe uns doch bitte dein Training im Frühjahr vor den Rennen.

Der 2. Platz beim Ötztaler ist natürlich auch für mich unglaublich. Ich hatte das nötige Glück, eine super Vorbereitung und natürlich meinen Heimvorteil. Der Ötztaler finde ich, ist nicht so steil wie manche andere Strecken, es sind natürlich über 5000 hm, aber bei Brenner, Jaufen und den Bergabfahrten habe ich mit meinem Gewicht gewisse Vorteile. Es hat uns ja schon Armin Neurauter vor 2 Jahren bewiesen, dass man auch mit Mitte 70 kg aufs Podest fahren kann.

Die Dauerleistung an Watt ist unterschiedlich, abhängig vom Wattsystem. Ich trainiere nur nach Watt, wo mich seit Jahren mein Trainer ideal eingestellt hat. Im Winter und Frühjahr mache ich sehr hartes Langlauftraining. Zudem trainiere ich öfters mit dem E-Bike, da das Gewicht mit über 20kg viel Kraft in den Beinen gibt.

Speed-Ville.de: Ich hatte bei meiner Recherche herausgefunden, dass du oftmals während der Saisonvorbereitung die Mittagspause zum Trainieren nutzt und nicht zum essen. Ist das noch immer so oder wird zwischenzeitlich auch mal was gegessen?
Doofe Frage: kommt da nicht manchmal die Frage nach dem Warum auf? Warum tut man sich das als 3-facher Vater mit über 30 noch an? Ich selber kenne das ja bei mir. Nur auf deutlich kleinerer Flamme… Der monetäre Anreiz kann es ja kaum sein..
Ich trainiere sehr oft in der Mittagspause, da kommt das Essen ein wenig zu kurz , jedoch habe ich nach dem Training ein wenig Zeit für einen Snack ;)

Die Frage nach dem Warum, stelle ich mir nicht sehr oft, ich setzte mir meine Ziele immer im Herbst und wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, dann möchte ich das auch erreichen, sofern es halt möglich ist.

Ich trainiere jetzt seit über 8 Jahren regelmäßig Radfahren und es macht mir immer noch sehr viel Spaß.

Meinen Job bei der Sporthütte Fiegl in Sölden, habe ich auch dem Radfahren zu verdanken, hatte die letzten Jahre sehr viel erlebt und werde hoffentlich noch viel erleben. Das motiviert mich jedes Jahr weiter zu machen.

Emanuel Nösig im Interview

Speed-Ville.de: Thema Motivation. Dein Werdegang ist sehr beeindruckend. Nach einem Autounfall hast du mit Mitte 20 noch 130 kg gewogen. Du warst für ein halbes Jahr an den Rollstuhl gefesselt. Was hat dich dazu bewogen dein Leben noch mal so „krass“ umzukrempeln? War das damals dein Einstieg in den Ausdauersport oder hast du vorher schon Ausdauersport betrieben?
Ich hatte früher schon viel Sport betrieben, jedoch nach meinen Unfall den Faden verloren. Ich fand mein Leben auf einmal nicht mehr richtig. Alkohol, Zigaretten ,schlechte Ernährung und keinen Sport, einfach körperlich unter aller Würde. Dann fing ich von einem Tag auf den anderen an zu trainieren. Fast alle, die mich kannten, belächelten mein Vorgehen – und das hat mich dann erst richtig motiviert.

Speed-Ville.de: Stefan Kirchmair lobt dich in den höchsten Tönen. Euch verbindet einiges. Du und dein Team haben ihn z.B. oftmals unterstützt und dafür ist er dir sehr dankbar. Das klingt nach toller Radsportromantik. 
Wie ist dein Eindruck der Rennrad Jedermann Szene? Gibt es deiner Ansicht hier Platz für Allianzen und Freundschaften unter den Fahrern oder ist es schlussendlich ein ego-getriebenes Geschäft, wo die Teams und Fahrer nur nach sich selbst gucken, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen? Ich persönlich finde dieses Thema sehr spannend, da es ja Hobbysport ist, wo es an sich nicht um Geld geht. Dennoch scheinen mir oftmals die Egoismen zu überwiegen, gerade beim Hauptfeld, wie auch Jörg Ludewig andeutete.
Ich habe einiges erlebt im Radsport, Stefan ist natürlich einer der besten Marathonfahrer in Europa, wie er ja schon mehrmals beim Ötztaler-Radmarathon bewiesen hat. Er war ja auch bei der Ö-Tour dabei und hatte da großartige Ergebnisse erzielt. Mit seinem neuen Team kann man im nur gratulieren. Sie sind sehr sympathisch und hilfsbereit.

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Ich muss sagen, dass ich sehr viele Freundschaften auf diesem Weg geschlossen habe. Es gibt natürlich auch Fahrer, die über Leichen gehen würden im Hobbysport. Das sind aber sehr wenige. Ob es für mich und viele andere nur mehr ein Hobby ist würde ich nicht sagen, wenn man zwischen 15.000-20.000 km im Jahr fährt.

Fast alle haben Sponsoren, die uns den Radsport finanzieren, das ist ja auch ein gewisses Einkommen.

 

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Speed-Ville.de: Was sagst du zum Ritterschlag durch Jörg Ludewig? Jörg hat ein Loblied auf deine Leistung beim Ötzi 2014 angestimmt (siehe Interview) und wäre gespannt, wie du dich bei den Profis schlagen würdest. Beim Zeitfahren hast du sicherlich deine Stärken. Du hattest in 2013 überlegt, ins Profigeschäft einzusteigen. Was hat dich davon abgehalten? Waren die Angebote nicht lukrativ genug oder haben sich deine Prioritäten, mit jetzt 33 Jahren, geändert?

Das ist für mich natürlich eine große Ehre, solche Worte von einem Jörg Ludewig zu hören, da er natürlich auch einer der großen Radfahrer für mich ist. Ich hatte lange überlegt als Elitefahrer in Österreich einzusteigen, kann es mir aber leider nicht finanziell mit einer Familie leisten. Ich habe einen tollen Job, den ich natürlich auch für eine gewisse Zeit in dieser Form nicht mehr nachgehen könnte. Alles im allen ist es bei den Amateuren so besser, aber vielleicht sehe ich es mir in den nächsten Jahren ja doch mal bei den Großen an;) Das Zeitfahren wäre mein großes Talent sagt mein Trainer, ich liebe es aber bergauf und bergab zu fahren. Ich werde mich aber nächste Saison ein wenig spezieller auf das Zeitfahren vorbereiten und mehrere Rennen bestreiten.

Emanuel Nösig im Interview

Fotoquelle: www.peter-lintner.de

Speed-Ville.de: Du bist bekannt für deine schnellen Abfahrten. Ich bin da ja eher der totale „Schisser“ und habe stets im Hinterkopf, was alles passieren kann bei dem Tempo auf 23mm breiten Reifen. Was war bis jetzt deine schnellste Abfahrt? Wie viel km/h hattest du da drauf? Kannst du es komplett sorgenfrei genießen und bist vom Adrenalin beflügelt oder kommt jetzt mit zunehmendem Alter auch ein gewisses Maß an Respekt vor den Geschwindigkeiten dazu? Du hast schließlich 3 Kinder…
Es macht mir sehr viel Spaß bergab zu fahren und mache mir auch wenig Gedanken was passieren könnte. Ich versuche bei jeder Fahrt sehr konzentriert abzufahren da natürlich einiges auf dem Spiel steht. Meine schnellste Abfahrt war 119 km/h, wenn der Computer richtig aufgezeichnet hat.

Speed-Ville.de: Wie schaut dein Rennkalender 2015 aus? Gibt’s neben den gesetzten Radmarathons, neue Rennen, welche du bestreiten möchtest? 
Es werden einige neue Rennen dabei sein. Wir sind jedoch noch in Planung, wo wir vertreten sein werden.

Speed-Ville.de: Abschlussfrage: wie und wo bereitest du dich auf die neue Saison vor? Bestreitest du mit deinen Teamkollegen ein Trainingslager im Süden? Wenn ja, wo? Hast du ein Crossbike für den Winter oder lieber auf der Rolle?
Ich bereite mich zu 90 Prozent bei uns im Ötztal vor. Ich fahre sehr wenig auf der Rolle, eher mit dem MTB und Spikes auf unserer Rodelbahn.

Wir werden natürlich auch ins Trainingslager fahren, wahrscheinlich wieder auf Gran Canaria wie die letzten Jahre, im Februar oder März.

Vielen Dank lieber Emanuel für das Interview und die Zeit, die du dir genommen hast. Weiterhin alles Gute für 2015.
Danke auch für das nette Interview. Ich werde versuchen, das Beste zu geben!!!

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2 comments

Kai Rapp, Chef-Organisator vom Velothon Berlin im Interview 27. Mai 2015 - 21:35

[…] es auch jüngst bei Jedermannrennen vermehrt zu Dopingvorfällen. Dem österreichischen Top-Fahrer Emanuel Nösig wurde z.B. die Startlizenz für 2 Jahre […]

Der Dopingfall Roberto Cunico und die Folgen 28. August 2015 - 15:18

[…] Herbst letzten Jahres freute ich mich dann riesig, dass Emanuel Nösig mir ein Interview für meinen Rennrad-Blog gab. Ja, genau Emanuel Nösig. Der Typ […]

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