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Wie du es schaffst, dich auf Mallorca zu etablieren – die beeindruckende Entwicklung des Rennrad-Verleihers Bicimed (Geheimtipp!)

by Daniel

Du möchtest im kommenden Frühjahr wieder ins Trainingslager nach Mallorca? Hast aber kein Bock, dein eigenes Rennrad mitzunehmen, lieber mietest du ein top gepflegtes Bike vor Ort? Dann kann ich dir besten Gewissens den gebürtigen Kölner Tommy empfehlen: Seit zwei Jahren bietet er mit „bicimed“ seinen schnell wachsenden Rennradverleih in Alcudia an – noch ein echter Geheimtipp. Mit Tommy sprach ich u.a. über die Standhaftigkeit, diesen Biss, den man braucht, um sich auf Mallorca im Rennrad-Geschäft durchzusetzen. Denn im Vorbeigehen – nur, weil man aus Deutschland kommt und meint diese „gewissen“ Tugenden mitzubringen – klappt das sicherlich nicht, weiß Tommy zu berichten.

Bicimed MallorcaKrass, da ist das auch schon wieder zwei Jahre her.

Unser Rennrad-Trainingslager im April 2015 in Puerto d’Alcudia. Eine der bekannteren Ortschaften auf Mallorca, wenn man mit dem Rennrad anreist. Die einen – vorwiegend Deutsche – bleiben unten an die Playa d’Palma, die anderen – mittlerweile vorwiegend Engländer – verbringen ihre Zeit, solange sie das noch dürfen – Stichwort Brexit – oben im Norden in Alcudia. Im Frühjahr mit Spandex und Bike, im Hochsommer mit Strohhüten und Fußballtrikots. Kann man nicht immer pauschalisieren, tendenziell trifft es aber zu.

Wir waren in 2015 jedenfalls in Alcudia – aus gutem Grund.

bicimed: Geheimtipp in Alcudia

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr einen dieser Gutmenschen im Leben trefft? Einer, der jedem hilft und immer nur das Beste will. Vor allem für die anderen, sich selbst stellen sie gerne mal hinten an. So eine gute Seele traf ich vor zwei Jahren: Tommy, mittlerweile auch als der Bikedoktor „bicimed“ auf Mallorca bekannt.

Gegenüber des Ivory Playa Hotels in Puerto d’Alcudia hat Tommy seine Rennrad-Vermietung – eine riesige Halle mit Platz für knapp 250 Rennräder inkl. Werkstatt, Shop und demnächst auch mit einem kleinen Café.

Aber Moment mal Müller, warum schreibst du jetzt eigentlich diesen Artikel über den Tommy, einen eher unbekannten Rennradverleiher auf Mallorca?

Weil Tommy es verdient hat. Ich vergesse nicht, wenn mir einer was Gutes tut.

Denn in 2015, da tat Tommy mehr Gutes, als man von ihm verlangen konnte. Man könnte sagen, das war über Gebühr. Nach dem langen Winter im Keller war mein Cube-Bike leider komplett verhunzt. Keine schlaue Idee, mit diesem Rad ins Trainingslager zu fliegen. Aber gut, ist nun mal passiert. Ein klassischer Müller eben.

In mühsamer Kleinstarbeit flickte das Tommy das Bike an mehreren Tagen in seiner Werkstatt zusammen: neue Schaltzüge mit einem Magneten durch den Rahmen samt Führung ziehen, was nicht beim ersten und auch nicht beim 5. Mal klappen wollte, neue Kassette, er lieh mir seine Fulcrum Laufräder, weil meine DT Swiss mächtig im Eimer waren und mir sagenhafte fünf Schlauchplatzer bescherten – und so weiter und so weiter.

Merke: Der Technik-Gott nimmt dich volley, wenn du dein Bike nicht pflegst! Genauso gnadenlos wie der Trainings-Gott, wenn du nicht trainierst (siehe Rund um Köln).

Aber wie dem auch sei, du weißt jetzt was ich meine – Stichwort Gutmensch: Da freust du dich auf eine Woche Spaß auf dem Rennrad unter der Sonne – und dann so was! Schön, dass es Menschen wie Tommy gibt, die nicht nur an den schnellen Euro denken, die mehr Wert auf langfristige Partnerschaften und Beziehungen legen.

Und deswegen möchte ich dem guten Tommy heute mal was zurückgeben und ihn Euch wärmstens empfehlen…

Top gepflegte Miet-Rennräder für dein Trainingslager

Mit dem eigenen Bike nach Mallorca zu fliegen, hat sein Für und Wider: Eigenes Rennrad, gewohnte Sitzposition, Wattmessung & Co. Dagegen sprechen der etwas stressigere Transport, das Zusammenmontieren nach der Ankunft/ vor der Abfahrt und die ca. 100-150 Öcken, die man für den Transport (Hin und zurück) per Flieger berappen muss.

Wer also auf das ganze Prozedere keinen Bock hat, der reserviert sich bequem sein Bike und muss sich im Prinzip um nichts mehr kümmern. Ende aus Nikolaus.

Nur beim welchem Verleiher?

Die Liste der Rennradvermieter auf Mallorca ist lang: Angeführt vom Schweizer Platzhirschen Hürzeler tummeln sich mittlerweile sicherlich 15-20 Anbieter auf der Baleareninsel, bei denen sich der Kunde sein Bike nach seinem Gusto aussuchen kann (siehe Vergleich der Rennrad-Vermieter).

Aber warum nicht mal einem der kleinen Anbieter eine Chance geben – wie z.B. Tommy – wo der Kunde oftmals noch einen höheren Stellenwert hat? Die Bikes sind top gepflegt, Tommy ein echter Pfundskerl und wenn irgendwas nicht passt, ist Tommy der letzte, der die Werkstatt verlässt. Davon weiß ich ein Liedchen zu singen.

Mit Tommy sprach ich über die Entwicklungen der letzten zwei Jahre und wie schwer es eigentlich ist, sich auf Mallorca im Rennrad-Business zu behaupten. Sicherlich interessant für all diejenigen, die – wie ich – mal mit dem Gedanken spielen irgendwann unter der Sonne zu leben! Zwar nicht als Rennrad-Verleiher, aber mir würde da sicherlich was anderes Nettes einfallen :-)

Bicimed im Interview

Tommy, in den letzten 2 Jahren hat sich einiges getan. Stellst du uns die Neuigkeiten einmal vor?
Als ich 2015 mit bicimed angefangen habe, war es eine reine „One-Man-Show“, was sich am Jahresende ziemlich bemerkbar gemacht hat. Diesen Winter habe ich dann aber endlich das „Go“ vom Hotel (Ivory Hotel; Anm. d. Red.) bekommen, wir können den Shop jetzt endlich ausbauen: Neben den „üblichen“ Radsportartikel wird es demnächst z.B. auch Espresso oder Kaffee zur Leistungssteigerung geben. Außerdem bietet sich die zentrale Lage als „MEET & RIDE“ Treffpunkt für alle Rennradfahrer an – sei es, dass sie sich einer festen Gruppe anschließen oder sich einfach mit anderen treffen möchten.

Und wer möchte, kann vor dem Ausritt seine Trinkflaschen mit Mineralwasser und Iso-Pulver füllen. Selbstverständlich gratis.

Welche Rennrad-Modelle kann man zu welchen Preisen bei Euch mieten?
Seit diesem Jahr führen wir neben den französischen Traditionsmarken Gitane und definitive auch Räder der deutschen Firma Ghost. Durch die neue Kooperation mit Ghost sind wir nun in der Lage, die gesamte Bandbreite an Rädern für unsere Gäste bereitzustellen. Die Mietpreise bewegen sich im üblichen Rahmen. So kostet ein Alu-Rennrad mit Shimano 105 bei uns €92/Woche, Carbon Shimano Ultegra €124 und Carbon Shimano Ultegra Di2 liegt bei €150 – OHNE zusätzliche Kosten für Pedale oder Fremdhotelzuschlag.

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Besonders stolz bin ich aber darauf, dass wir Spaniens erstes und einziges offizielles „Test The Best“ Center für Carbonlaufräder der hochwertigen Marke Xentis aus Österreich sind. Eine Auswahl der verschiedenen Modelle stehen ab sofort für Euch zum Testen bereit.

Der größte Fehler ist zu glauben, dass Mallorca das 17. Bundesland ist und die Spanier froh sein sollten, dass man hier ein Geschäft aufziehen will.

Das eigene Rennrad kann man aber weiterhin bei dir an den Haken hängen, korrekt?
Selbstverständlich sind auch Gäste mit eigenen Rädern gerne gesehen. Und da viele unserer Gäste das eigene Edel-Carbon nicht so gerne offen zugänglich an einen Haken hängen wollen, gibt es seit neuestem einen separaten abschließbaren „VIP-Raum“. Ideal auch für Gruppen oder Teams, wie z.B. das russische Eisschnelllauf-Team, das jedes Jahr im Frühling bei uns seine Zelte zum Trainingslager aufschlägt.

Wie viel kostet es, die Räder bei euch aufzuhängen?
Für den „normalen“ Radhaken sind €4,20/Tag an der Rezeption des Hotel Ivory Playa zu entrichten. Enthalten ist der Radhaken mit Stahlsein und Schloss, ein Teller Pasta an der Poolbar sowie Wasser und isotonisches Pulver zum Füllen der Trinkflaschen. Ebenso enthalten sind kleinere Reparaturen am Rad durch mich.

  • Standort: Port d’Alcúdia (Google Maps Karte)
  • Eröffnung in 2015
  • Ausbau des Geschäfts in 2017
  • Platz für 240 Räder
  • Dienstleistung: Rennradvermietung, Service-Werkstatt und Shop
  • Geführte Rennräder: Gitane, definitive & Ghost
  • Rahmen: Alu und Carbon
  • Komponenten: Shimano 105 bis Shimano Ultegra Di2
  • Mietpreise ab 92€ pro Woche
  • Optionale Unterbringung im Ivory Playa Hotel direkt gegenüber (siehe Artikel)

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Werdet ihr in der kommenden Saison wieder ein Masters-Team an den Start bringen? Gibt es wieder bekannte Fahrer (u.a. Tour-de-France-Teilnehmer)?
Die Planungen sind im vollen Gange. Sollten sich weiterhin noch mehr Fahrer für das „Masterteam bicimed Mallorca“ melden, kann es sogar passieren, dass wir mit einer zweiten Mannschaft an den Start gehen werden.

Nachdem Marco Grossegger (D) im vergangenen Jahr den Vizeeuropameister Titel eingefahren hat, hat er sich vorgenommen, das Ganze in diesem Jahr um einen Platz zu verbessern. Unterstützt wird er von Viktor Slavic (D) und Kai Schwerte(D) – zwei alten Hasen auf der Straße.

Auch wieder mit dabei sind Peter Meinert Nielsen aus Dänemark (3x bei der TDF gestartet, 1x Olympia), Laurits Thorning Jakobsen (Dk, Ironman Hawaii Finisher) und Jimmy Havmüller (Dk). Sollte sich Hans Hoffmann (Dk, 4-facher Weltmeister der Polizisten) von seinem Sturz bei den Masters im letzten Jahr wieder vollständig erholen, wird er auch in 2017 wieder mit von der Partie sein.

Über Kai Schwerte bietet ihr MTB-Touren an. Sind künftig auch geführte Rennrad-Touren geplant?
Wir möchten ja wie oben erwähnt, dass sich interessierte Gruppenfahrer bei bicimed treffen und gemeinsam ihre Touren fahren. In der Frühjahrssaison arbeiten wir wieder mit einem namhaften Reiseveranstalter zusammen, der von unserer Station aus in unterschiedlichen Leistungsklassen – von gemütlich bis ambitioniert – mit seinen Guides startet. Hier kann man sich natürlich jederzeit nach Absprache mit dem Guide einklinken.

Leider kommen jedes Jahr neue Rennrad-Vermieter auf die Insel, die meinen sie können den Markt hier von hinten aufrollen. Nervig ist es nur, wenn Du weißt, dass der Firmensitz in Deutschland ist und sie weder hier noch dort Steuern bezahlen.

Ein kleiner Schwenk: Mallorca ist immer wieder das Ziel deutscher Auswanderer. Wie schwer ist es, sich als Deutscher auf der Insel im Rennrad-Business durchzusetzen?
Es ist wie in jedem anderen Geschäft: Du musst Leistung bringen und dich von den anderen Rennrad-Vermietern abheben. Das sind oft nur Kleinigkeiten, die der Gast aber gerne und vor allem sofort sieht – und um diese Kleinigkeiten muss man sich eben kümmern, auch wenn es mal nichts mit dem Rennrad zu tun hat.
Eine kleine Anekdote: Vor zwei Jahren hat mich z.B. ein Kunde mal gefragt, ob ich ihm eine Okulele zum Geburtstag seines Sohnes besorgen kann.

Und hast du?
Klar hat der Junior sein Geburtstagsgeschenk bekommen. Als „Local“ kennt man ja den ein oder anderen Shop, der so etwas führt.

Was erschwert dir das Geschäftsleben auf Mallorca? Immer wieder neue Firmen, die meinen jetzt auch noch was vom Kuchen abhaben zu wollen?
Leider kommen jedes Jahr neue Rennrad-Vermieter auf die Insel, die meinen sie können den Markt hier von hinten aufrollen. Nervig ist es nur, wenn Du weißt, dass der Firmensitz in Deutschland ist und sie weder hier noch dort Steuern bezahlen. Gleiches gilt übrigens auch für Firmen aus anderen Ländern, wie z.B. England oder Dänemark. Hier ist die Regierung aber zwischenzeitlich sehr aktiv, um diese „Machenschaften“ zu unterbinden.

Und dann natürlich noch der bekannte Schweizer Platzhirsch…
(lacht) Max ist kein Problem. Ganz im Gegenteil. Durch seine enorme Größe ist er eher wie ein Industriebetrieb: alles klar durchstrukturiert, wenig Platz für Individualität.

Und gerade das Individuelle ist aber das, was unsere Gäste schätzen. Sattelhöhe passt nicht? Wird geändert. Passt immer noch nicht? Dann eben nochmal ändern, bis es eben passt.

Kenne ich noch aus 2015…

Wenn ich keine Räder mehr zur Verfügung habe, schicke ich schon mal den einen oder anderen Gast zum Hürzeler. Lieber zu ihm, als zu einigen anderen. Nach fünf Jahren, die ich bei ihm gearbeitet habe, weiß ich, dass die Qualität seiner Bikes passt.

Du bist ja mittlerweile schon 10 Jahre auf Mallorca. Was sind so die typischen Fehler der Auswanderer, die versuchen auf der Insel Fuß zu fassen?
Der größte Fehler ist zu glauben, dass Mallorca das 17. Bundesland ist und die Spanier froh sein sollten, dass man hier ein Geschäft aufziehen will. Auch zu glauben, dass hier alles nach deutschem Recht funktioniert – das geht immer wieder in die Hose. Leider hört man dann gerne Sätze wie: „In Deutschland ist das aber so!“ oder: „Ich brauche kein Spanisch lernen, die sprechen ja eh alle Deutsch hier.“

Also, die erste Regel für Auswanderer ist, das deutsche Rechtsempfinden in Deutschland zu lassen und bevor ihr hierher kommt zumindest ein bisschen Spanisch zu sprechen. Und natürlich der Wille, es auch weiter zu erlernen und verbessern: Wenn die Spanier merken, dass man ernsthaft versucht sich zu integrieren, dann wird man hier wenig Probleme haben und sogar echte Freunde finden. Letztlich ist es wie in Deutschland, aber hier sind wir die Ausländer!

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2 comments

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