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Alter Hobel vs. neuer Flitzer oder „Velotisimus Abarticus“

by Daniel

Es ist mal wieder soweit: das gute alte „Rennrad-Trainingslager“ auf Mallorca ist gebucht, die ein oder andere Radklamotte für den Sommer im Wintersale gekauft und die letzten 3 Monate wurden fleißig im GA1 Bereich abgespult.

Bestens gerüstet könnte man eigentlich meinen. Doch bevor mal Ruhe einkehrt in mein umtriebiges Leben, stellt sich die nächste, immer wiederkehrende elementare Frage eines jeden Radsportbegeisterten pünktlich zum bald endenden Winter:

Kauf ich mir ein neues Rennrad oder nicht?

(oder „alter Hobel vs. neuer Flitzer?“)

Kante-Kolumne-2

Emotionen vs. Verstand beim Rennradkauf

Es wäre ein leichtes den Kontostand zu checken, die Emotionen die Oberhand über den Verstand gewinnen zu lassen und mal schnell den Gegenwert einer Einbauküche in ein Velo seiner Träume zu investieren.

Aber, ich bleibe bewusst im Konjunktiv. Denn jetzt kommt das Trauma eines jeden Pedalisten: es stellen sich wie bei jeder Entscheidung, die ein gewisses Maß an Abwägung zwischen finanziellen Hürden, der restlichen Jahresplanung was z.B. Urlaub und die ein oder andere „notwendige“ Neuanschaffung anbelangt, folgende Frage:

Brauch ich denn wirklich ein neues Rennrad?

Ok, diejenigen die sich um den Kontostand keine bis wenig Sorgen machen müssen, werden jetzt schulterzuckend und emotionslos in einem Ton wie Schwarzenegger Ende der 80er sagen:

DO IT!

Was mache ich aber dann mit meinem „alten“?

Man hat verständlicherweise eine emotionale Beziehung zu seinem Carbon-Trainingspartner aufgebaut. Man ist durch dick und dünn bzw. dünn und dünner gegangen, ist bergauf/bergab gekurbelt und hat so manchen großartigen aber auch gefährlichen Moment miteinander erlebt.

So was stellt man doch nicht einfach in den Keller und ersetzt es durch was „junges“, frisches, gar geileres. Man ist ja nicht der Lothar Matthäus des Freizeitradsports.

Wie erkläre ich das bloß der „Regierung“?

Wenn der Partner nicht mit dem Radvirus infiziert ist, ist dieser Punkt nicht zu unterschätzen. Da ist oft schon ein neuer Satz Laufräder Grundlage endloser Diskussionen.

Ich für meinen Teil habe einen Radkeller mit einem großen Vorhängeschloss und es gibt nur einen Schlüssel. Dieser ist in einem Bankschließfach in der Schweiz und… aber lassen wir das.

Zurück zu unserem Dilemma und der Frage aller Fragen: was für eines soll es denn nun werden?

Und das ist mit Sicherheit die schwierigste aller Fragen. Ich könnte jetzt eine Liste machen. Diese würde die Ausmaße einer Doktorarbeit über eine neue Krankheit annehmen – der sogenannten „Velotisimus Abarticus“

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Die Radsportindustrie macht uns ja in immer kürzer werdenden Zyklen den Mund mit allerlei lebensnotwendigen Neuheiten wässrig. Da wären elektronische Schaltungen, Laufräder die in Windkanälen der Formel 1 Teams getestet wurden (werde ich je 300km/h schaffen?), hydraulische Schaltungen und Bremsen mit und ohne Scheibe. Leichtere Rahmensets, bessere Komponenten, härtere Sättel und so weiter und so weiter.

Man könnte meinen, wir gemeine Hobbyfahrer, sind zur Zielgruppe von Ingenieuren und Produktmanagern geworden, bei denen es für die NASA, die Formel 1 und Investmentbanking nicht gereicht hat.

Dazu folgendes Statement von Kante: lieber mal nen Knödel weniger zu Mittag. Dann darf der Flaschenhalter auch aus Alu statt aus Carbon sein. Aber es geht ja immer um alles. Jedes Gramm zählt. Ist klar.

Zurück zum Thema. Was tun Herr Doktor? Ich bin krank. Ich bin süchtig. Ich BRAUCHE will ein neues Fahrrad.

Jetzt ist der Entschluss gefallen. Budget festgezurrt. Der „Regierung“ schon mal prophylaktisch von einem geplatzten Investment in Folge der schlechten Entwicklung am internationalen  Hightech-Product-Placement-Investmentmarkt erzählt, um die negative Kontoentwicklung zu rechtfertigen und ab ins Internet, zum Radhändler des Vertrauens oder die aktuelle Ausgabe der abonnierten Radzeitung vom Klo geholt.

In bester Excelmanier wird nun aufgelistet, verglichen und andersweitig rumpivotiert.

Rahmengewicht, Steifigkeitswert, Ausstattung, Laufräder, Gruppe, Lackierung, Material, Hersteller, Image, Baukasten, Custombike, was fahren die anderen so und ganz klar der Preis. Wobei letzteres durch „sich die Sache schönreden“ meist irrelevant wird.

Man braucht es ja schließlich. Notiz an einen selbst: Budget muss neu festgezurrt werden, schon jetzt.

Dieser Prozess ist kompliziert, langwierig und natürlich streng geheim.

Ich möchte wetten, so mancher von uns hat beim Wohnungskauf weniger Theater gemacht als bei der Anschaffung eines neuen Rennrads ;-)

Fortsetzung folgt…

Euer Kante

 

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3 comments

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