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7 faszinierende & brutale Berge in Europa, die auf jede To-Do-Liste gehören!

by Daniel

Berge sind im Radsport zweifelsohne das Salz in der Suppe. Egal wie leicht oder schwer man ist, wie gut oder wie schwach man am Berg ist, insgeheim führt jeder Radsportler eine To-Do-Liste der Anstiege, die er in seinem Leben einmal bezwingen möchte. Frederik schildert uns seine Top 7.

Stilfser Joch mit dem Rennrad
Majestätisches Stilfser Joch

Von Frederik Böna

Es gibt Berge, die auf jeden Rennradfahrer eine fast schon magische Anziehungskraft ausüben!

Selbst Fahrer, die alles andere als Bergspezialisten sind, wollen gewisse Anstiege mindestens einmal in ihrem Leben bezwingen. 

Warum eigentlich?

Die Faszination für solche Berge kommt nicht zuletzt oft durch den professionellen Radsport und dessen Übertragung im Fernsehen. 

Seitdem die Tour de France mit dem Ballon d’Alsace in den Vogesen im Jahr 1905 über den ersten echten Berg führte, ging von den Bergen bei den Grand Tours mehr oder weniger immer die größte Faszination aus, was vor allem daran lag, dass sich die großen Rundfahrten meistens in den Bergen entschieden. 

7 Berge, die jeden Radsportler faszinieren!

In der Vergangenheit ereignete sich an vielen Bergen häufig etwas Außergewöhnliches, was den Anstieg legendär werden ließ und damit auch einen Teil dazu beitrug, dass diese Berge fast schon zu Pilgerorten für Radsportler wurden. 

Einige Anstiege haben mittlerweile einen so mythischen Charakter, dass ihre Namen in einem beinahe feierlichen Tonfall ausgesprochen werden. 

Die beeindruckenden Szenen, die spektakuläre Landschaft und das Leiden der Profis an diesen Bergen faszinieren viele Radsportfans so sehr, dass sie die Herausforderung, einen solchen Berg mit dem Rennrad zu bezwingen, ebenfalls suchen. 

Für mich persönlich gibt es in Europa insgesamt sieben Anstiege, die einen besonders großen Reiz auf mich ausüben. 

Zwei davon habe ich bereits erfolgreich bezwingen können, die anderen fünf werden hoffentlich noch folgen. Vorstellen möchte ich Euch gerne alle diese sieben Berge.

Berg #1: Mont Ventoux

Mont Ventoux mit dem Rennrad

Der Berg, der mich bisher immer am meisten angezogen hat, und das auch nach wie vor noch tut, ist der Mont Ventoux in der französischen Provence. 

Das erste Mal, dass ich den Mont Ventoux bewusst wahrnahm, war während der Tour de France 2009, als sich Tony Martin gemeinsam mit dem spanischen Profi Juan Manuel Garate am französischen Nationalfeiertag um den Etappensieg auf dem Gipfel duellierte und letztendlich knapp verlor. 

Etwas weiter hinten kämpften Andy Schleck, Lance Armstrong und Alberto Contador um das Podium der Tour de France. Mit meinen damals gerade einmal 17 Jahren war ich begeistert von dem Kampf, den sich die Fahrer an diesem spektakulären Berg lieferten. 

Hinzu kam auch noch, dass ich mich an diesem Tag auf Klassenfahrt in Paris befand. Überall waren Fernseher in den Straßencafés aufgestellt, sodass auch wirklich jeder das Rennen live verfolgen konnte.

Auch wenn kein Franzose Aussicht auf den Tagessieg hatte, fieberten trotzdem überall die Menschen mit.

Froome gegen alle am Mont Ventoux

Meine zweite „Begegnung“ mit dem Mont Ventoux hatte ich im Jahr 2013 bei der 100. Auflage der Tour de France. Mit großer Enttäuschung sah ich vor dem TV-Bildschirm, wie Chris Froome meinen Lieblingsfahrer Alberto Contador am Mont Ventoux einfach stehen ließ, zum Kolumbianer Nairo Quintana aufschloss und schließlich auch noch diesen abhängte und die Etappe auf dem Gipfel des Mont Ventoux gewann, womit er den Grundstein für seinen ersten Sieg bei der Tour de France legte.

Nach wie vor war mir allerdings die wahre Bedeutung des Mont Ventoux im Radsport nur im Ansatz bewusst. Das änderte sich, als ich ein Jahr später meine Bachelorarbeit über die Tour de France schrieb. 

Als ich mich in diesem Zusammenhang mit den wichtigsten Anstiegen der Tour de France beschäftigte, wurde mir die Bedeutung dieses Berges sehr schnell immer mehr klar.

Frederik Böna

Der Mont Ventoux wird von vielen Radsportfans als der mythischste Berg des Radsports überhaupt angesehen, was nicht zuletzt auch an den vielen spektakulären Renngeschehnissen in der Vergangenheit der Tour de France dort liegt. 

Mystische Erscheinung

Eine womöglich aber noch viel größere Bedeutung hat die Erscheinung des Mont Ventoux: 

Durch seine Lage in der relativ flachen Provence ist er bereits aus sehr großer Entfernung sichtbar. Er ist kahl und erinnert teilweise an eine Mondlandschaft. Der erste Eindruck, den der Mont Ventoux erweckt, ist alles andere als einladend. 

Der am häufigsten befahrene Anstieg auf den Gipfel und gleichzeitig auch der, den die Profis bei der Tour de France immer bewältigen müssen, beginnt in Bédoin, ist 21 Kilometer lang, umfasst 1.634 Höhenmeter und wird auch „l’Impitoyable“ genannt, was „der Erbarmungslose“ bedeutet und den Charakter des Berges deutlich zum Ausdruck bringt. 

Besonders hart ist vor allem der Mittelteil des Anstiegs, der durchschnittlich neun Prozent Steigung aufweist und keine Zeit zum Erholen gönnt. 

Ironischerweise ist eine der beiden anderen Auffahrten hinauf zum Gipfel, nämlich die vom Ort Malaucenne aus, mit ebenfalls rund 21 Kilometern und 1.567 Höhenmetern im Mittelteil sogar noch härter und fordernder. 

Tom Simpsons Tod trug zum Ruf des Mont Ventoux bei

Erheblich zum grausamen und erbarmungslosen Ruf des Mont Ventoux trug der Tod des ehemaligen Weltmeisters und Mitfavoriten Tom Simpson während der Tour de France 1967 bei, der unterhalb des Gipfels vom Rad fiel und trotz medizinischer Hilfe wenig später starb. 

Seitdem ist an dieser Stelle ein Mahnmal errichtet, an dem viele Radfahrer anhalten und Tom Simpson gedenken, teilweise indem sie dort irgendeinen Gegenstand für ihn hinterlassen. 

1970 musste außerdem Eddy Merckx, nachdem er den Gipfel als erster Fahrer erreicht hatte, sofort in ein Sauerstoffzelt gebracht werden. 

Frederik Böna
Autor Frederik Böna

Atemprobleme bei vielen Radsportlern auf dem Gipfel

Überhaupt klagen viele Fahrer, die oben auf dem Mont Ventoux ankommen, immer wieder über Atemprobleme, was durchaus erstaunlich ist, denn mit 1.912 Metern Höhe wird der Mont Ventoux von einigen anderen Anstiegen deutlich überragt. 

Doch die Hitze, die im Sommer in dieser Region oft herrscht und die auf dem Mont Ventoux durch den weißen Kalkstein sehr stark zu spüren ist, stellt die Fahrer immer wieder vor große Probleme. 

Außerdem führt die fehlende Vegetation auf dem Mont Ventoux dazu, dass dort eine geringere Luftfeuchtigkeit herrscht, die vom Mistral noch verstärkt wird. 

Club des Cinglés du Mont Ventoux

Für diejenigen, denen es trotz allem nicht ausreicht, einmal den Mont Ventoux zu bezwingen, gibt es zudem den „Club des cinglés du Mont Ventoux“, den sogenannten „Club der Verrückten vom Mont Ventoux“. 

Um sich die Mitgliedschaft in diesem Club zu sichern, muss man innerhalb eines Tages den Mont Ventoux von allen drei Seiten aus bezwingen, einmal von Bédoin, einmal von Malaucenne und einmal von Sault aus, wobei die Auffahrt ab Sault mit 25,4 Kilometern und 1.214 Kilometern noch die mit Abstand einfachste ist. 

Für diejenigen, denen das immer noch zu wenig ist, gibt es dann auch noch die Möglichkeit, den Gipfel vier, fünf oder sogar sechs Mal zu bezwingen. Nachdem ich während meiner Bachelorarbeit zunächst nur das Ziel hatte, unbedingt einmal auf den Gipfel des Mont Ventoux zu fahren, entstand nach und nach der Wunsch in mir, ein Mitglied in diesem Club der Verrückten zu werden. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht einmal ein Rennrad. 

Sechsmaliger Bezwinger des Mont Ventoux

Ein paar Jahre und einige Radmarathons später, wollte ich dann schon sechs Mal nach oben fahren und somit zu einem Bicinglette, zu einem sechsmaligen Bezwinger des Mont Ventoux, werden und mir damit die höchste Mitgliedschaft im Club der Verrückten zu holen. 

Am 19. April 2019, am Karfreitag, gelang mir das auch tatsächlich. Trotz all der Anstrengung erlebte ich dabei vielleicht meinen bisher schönsten Tag überhaupt auf dem Rennrad. 

Bis jetzt war ich noch in keiner beeindruckenderen Landschaft und vor allem an keinem spektakulären Berg unterwegs.

Berg #2: Alpe d’Huez

Andy Schleck Alpe d'Huez
Schleck während der TDF

Ein weiterer Anstieg, der ganz oben auf meiner Liste steht, auch wenn ich ihn bisher noch nicht bezwungen habe, ist der Anstieg hinauf in den Skiort Alpe d’Huez, am Hang des Pic du Lac Blanc in den französischen Alpen. 

Auch wenn Alpe d’Huez in erster Linie ein Wintersportort ist, verdankt er seinen hohen Bekanntheitsgrad vor allem der Tour de France. 

Alpe d’Huez ist tatsächlich der erste bedeutende Anstieg des Radsports, den ich als Radsportfan bewusst wahrgenommen habe und der mich sofort fasziniert hat. 

Als Carlos Sastre im Jahr 2008 die Bergankunft im Skiort Alpe d’Huez gewann und sich damit letztendlich auch den Gesamtsieg der Tour de France holte, merkte ich beim Zuschauen sehr schnell, dass dieser Anstieg deutlich anders ist, als die Anstiege, die die Fahrer während dieser Tour zuvor bezwingen mussten. 

Alpe d’Huez: 1130 hm auf 14 Kilometer (7,9% steil)

Der Anstieg hinauf in den Skiort beginnt in Le Bourg-d’Oisans und ist ca. 14 Kilometer lang. Insgesamt müssen auf diesen 14 Kilometern 1.130 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,9 Prozent bezwungen werden. 

Von den blanken Zahlen her ist der Anstieg damit eigentlich alles andere als besonders beeindruckend. Was ihn so spektakulär macht, ist seine Beschaffenheit, die mit ihren 21 Kehren einem naturgeschaffenen Amphitheater gleicht. 

Namen der Sieger in jeder der 21 Kurven

Die Namen der jeweiligen Sieger in Alpe d’Huez wurden auf weißen Schildern, mit denen die 21 Haarnadelkurven, oben mit der eins beginnend, nummeriert sind, festgehalten. 

Seit 2001 werden diese Schilder, von unten angefangen, immer mit einem zweiten Namen versehen, wenn ein neuer Sieger in Alpe d’Huez hinzukommt, denn es gab mittlerweile mehr Sieger dort als Kehren, so oft war Alpe d’Huez inzwischen Bestandteil der Tour de France (seit 1952 insgesamt 28 Mal). 

Für den einzigartigen Charakter von Alpe d’Huez sind allerdings auch die Fans bei der Tour de France maßgeblich mitverantwortlich. 

Partystimmung während der Tour de France

Wenn Alpe d‘Huez Bestandteil der Tour ist, stehen an den Straßenrändern zahlreiche Wohnmobile, extra aufgestellte Toilettenhäuschen und natürlich noch viel mehr Fans, die der Ankunft der Radprofis entgegenfiebern. 

Viele Fans reisen sogar schon Wochen vorher an, um mit ihren Wohnmobilen und Zelten die besten Plätze zu belegen. Insgesamt gleicht der Anstieg hinauf nach Alpe d’Huez an dem Tag, an dem die Tour kommt, einer einzigen großen Party. 

Wenn dann endlich die ersten Profifahrer kommen, werden diese von den Fans völlig unabhängig von ihrer Nationalität frenetisch angefeuert. 

Insgesamt kommt die Leidenschaft der Fans für die Tour de France in diesem Anstieg wohl am meisten zum Ausdruck. 

Fans sehen die Fahrer bereits von weitem

Aufgrund seiner Beschaffenheit ermöglicht der Anstieg es den Fans die Fahrer, bereits lange bevor sie schließlich an ihnen vorbeikommen, im Tal zu erblicken, was den Spaß und die Spannung beim Zusehen deutlich erhöht. 

Dies unterscheidet den Anstieg auch von den anderen, die die Tour immer wieder besucht.  

Letztendlich ist es wohl so, dass in Alpe d’Huez, wenn die Tour de France dort endet, die größte Sommerparty in Frankreich unter freiem Himmel stattfindet. 

Der Anstieg hinauf nach Alpe d’Huez ist allgemein auch der Berg, an dem sich die meisten ausländischen Fans versammeln. Sogar Japaner und Mexikaner kommen nach Alpe d’Huez, um die Tour de France und die deswegen dort stattfindende Party mitzuerleben. 

Am zahlreichsten vertreten sind die Niederländer, weshalb der Anstieg auch als „Berg der Holländer“ bezeichnet wird. 

Kehre 7 ist die Holländerkurve

Da bis 1989 acht von vierzehn Siegern in Alpe d’Huez Niederländer waren, wurde der Anstieg schnell zum Lieblingsberg der Holländer, die sich insbesondere in Kehre sieben festsetzten und dort immer über mehrere Tage hinweg eine große, orangene Party veranstalten. 

Auch deswegen hat kein anderer Anstieg hat einen derartigen Kult-Charakter. Fährt man als Normalsterblicher Alpe d’Huez hinauf, wird man natürlich nicht von hunderttausend Fans nach oben gepeitscht. 

Trotzdem bin ich mir sicher, dass der einzigartige Kult-Charakter des Anstiegs auch dann noch zu spüren ist, wenn man den Anstieg ganz alleine nach oben fährt.

Berg #3: Col du Tourmalet

Leider etwas weiter von Deutschland entfernt, sind die Pyrenäen. 

Ausgerechnet dort liegen aber zahlreiche beeindruckende Anstiege, die für jeden Radsportler eine große Herausforderung darstellen. 

Besonders beeindruckend und ein weiterer Berg, der ganz oben auf meiner Liste der Anstiege, die ich unbedingt einmal fahren will, ist der Col du Tourmalet, der höchste asphaltierte Straßenpass der französischen Pyrenäen.

Erster Berg über 2000 Meter bei der Tour de France

Der Tourmalet, dessen Name so viel wie „schlechter Weg“ bedeutet, war mit seinen 2.114 Metern der erste Berg über der 2.000 Meter-Marke, der von den Profis während der Tour bezwungen werden musste. 

Im Jahre 1910 war die fast 17 Kilometer lange Passstraße von Luz-Saint-Sauveurdes hinauf auf den Col du Tourmalet mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,5 Prozent und insgesamt 1.405 zu überwindenden Höhenmetern erstmals Teil der Rundfahrt, nachdem er erst im Frühjahr desselben Jahres inspiziert worden war. 

Auf die Idee, überhaupt echte Hochgebirgs-Passagen in den Streckenverlauf zu integrieren, kam Alphonse Steines, ein französischer Journalist, der damit allerdings auf erhebliche Zweifel über die Zumutbarkeit solch anspruchsvoller Steigungen stieß. 

Nicht nur die Größe, Länge und Steigung des Anstiegs erschienen unüberwindbar, auch der Zustand der Straße, die damals eher einem Pfad glich, sorgte dafür, dass Steines mit seiner Idee zunächst für vollkommen verrückt erklärt wurde. 

Noch dazu gab es damals in der Region wilde Bären. 

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Wilde Bären und schlechte Straße zu Beginn

Erst nachdem Steines persönlich den Tourmalet im Vorfeld inspiziert hatte, dabei fast ums Leben kam, dennoch aber gegenüber dem Tour-Chef Henri Desgrange angab, dass der Anstieg von den Fahrern problemlos bewältigt werden könnte und die Straße in einem sehr guten Zustand wäre, wurde der Tourmalet auch tatsächlich in den Streckenverlauf der Tour mit aufgenommen. 

Bereits mit der ersten Überquerung des Tourmalets war auch dessen Mythos geboren, so beeindruckend kamen die Qualen und die Entschlossenheit der Fahrer dort zum Ausdruck. 

Der Tourmalet war seitdem immer wieder Bestandteil der Tour de France und immer wieder wurde an diesem Berg durch seine Fahrerschicksale und seine Auswirkungen auf die Gesamtwertung Tour-Geschichte geschrieben. 

Über 70x Bestandteil der Tour de France

Über 70 Mal wurde der Tourmalet während der Tour von den Fahrern bereits bezwungen, sowohl von der Westseite von Luz-Saint-Sauveurdes  aus, als auch von der Ostseite von Sainte-Marie-de-Campan aus, auch wenn diese Auffahrt mit einer Länge von 17,1 Kilometern, einer durchschnittlichen Steigung von 7,4 Prozent und insgesamt 1.270 zu überwindenden Höhenmetern nicht ganz so furchteinflößend ist. 

Der Tourmalet ist damit nicht nur der am häufigsten befahrene Hochgebirgspass der Tour de France, sondern auch einer der geschichtsträchtigsten Anstiege des Radsports. 

In der neueren Radsportgeschichte ist am Tourmalet vor allem das Duell Andy Schleck gegen Alberto Contador in Erinnerung geblieben, als beide sich bereits im unteren Teil des Anstiegs von allen anderen Fahrern absetzten und gemeinsam den Anstieg hinaufflogen, auf dessen Kuppe sich Andy Schleck schließlich den Etappensieg holte.

Berg #4: Stilfser Joch

Stilfser Joch mit dem Rennrad

Das Stilfser Joch, bzw. der Passo Stelvio, wie er im Italienischen heißt, gilt als die „Königin der Passtraßen“. 

Ich selbst habe während des Dreiländergiros 2018 das Stilfser Joch von Prad aus bereits einmal bezwungen und habe relativ schnell gemerkt, dass diese Passstraße ihren Titel zu Recht trägt. 

Nie zuvor bin ich auf einer derart beeindruckenden Straße gefahren. Der Anstieg nimmt einfach kein Ende. Er ist zwar nicht besonders steil, aber gefühlt unendlich lang. 

Mit einigermaßen guten Beinen ist es allerdings ein Genuss, Kehre um Kehre nach oben zu fahren. 

Nicht brutal steil, aber brutal geil!

Obwohl ich mich im Rennmodus befand, war ich eigentlich die ganze Zeit nur am Staunen über die beeindruckende Landschaft und die faszinierende Straße, die sich über insgesamt 48 nummerierte Kehren nach oben schraubt. 

Je höher man kommt, desto kleiner fühlt man sich und auch die Landschaft wird immer eindrucksvoller, nicht zuletzt auch deswegen, da man bis weit in den Sommer hinein oft noch Schneereste am Straßenrand sieht.

Passhöhe bei 2757 Metern über Null

Mit seiner Passhöhe von insgesamt 2.757 Metern ist das Stilfser Joch der höchste Straßenpass Italiens und die zweithöchste Passstraße der Alpen überhaupt. 

Die Nordostrampe von Prad aus führt insgesamt 24,6 Kilometer und 1.844 Höhenmeter nur bergauf, die etwas seltener befahrenere Südrampe von Bormio aus immerhin noch 21,5 Kilometer und 1.540 Höhenmeter. 

Allein diese Zahlen sind vermutlich schon ein Grund dafür, warum das Stilfser Joch einer der populärsten und am meisten befahrenen Anstiege weltweit ist. 

Etwas ärgerlich ist, dass der Anstieg auch bei Motorradfahrern und Autofahrern sehr beliebt ist, sodass man als Radfahrer nur selten seine Ruhe hat. Trotzdem entschädigen die beeindruckende Landschaft und die Ankunft auf der Passhöhe nahezu für alles. 

Oben angekommen, wird man von einem Denkmal des italienischen Radrennfahrers Fausto Coppi und von einem Bratwurststand empfangen.

Im Profiradsport ist das Stilfser Joch immer wieder Bestandteil des Giro d’Italia

Da dieser noch relativ früh im Jahr stattfindet, mussten die Fahrer sich in der Vergangenheit immer wieder mit sehr winterlichen Verhältnissen auseinandersetzen. 

Thomas de Gendt & Tom Dumoulin

Besonders in Erinnerung geblieben sind in der jüngeren Vergangenheit der beeindruckende Etappensieg von Thomas de Gendt im Jahr 2012 sowie der „Toilettengang“ von Tom Dumoulin im Jahr 2017, der ihn fast den Gesamtsieg kostete.

Berg #5: Galibier

Galibier mit dem Rennrad

Beinahe genauso hoch wie das Stilfser Joch, ist der Col du Galibier mit einer Höhe von 2645 Metern. 

Der Galibier ist damit nicht nur häufig das Dach der Tour de France, sondern auch der fünfthöchste asphaltierte Alpenpass. 

Auf der Südseite des Galibiers befindet sich knapp unterhalb der Passhöhe ein Denkmal des Gründers der Tour de France Henri Desganges. 

Anfahrt in den Galibier über Valloire

In Angriff genommen wird der Galibier aber bei der Tour de France und auch von den meisten Radsportlern in der Regel über die Nordrampe von Valloire, die über 17,6 Kilometer und 1.220 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,7 Prozent hinauf führt. 

Während der erste Teil des Anstiegs noch relativ harmlos ist, wird insbesondere die zweite Hälfte immer steiler, auch wenn die maximale Steigung die 10 Prozent-Marke nicht überschreitet. 

Etwas entspannter ist dagegen die Südseite des Galibiers, die vom Col du Lautaret aus über 8,6 Kilometer und lediglich 597 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 6,9 Prozent hinauf führt, wobei auch hier insbesondere der obere Teil des Anstiegs mit einer Steigung von maximal 14 Prozent sehr steil ist. 

Nicht nur sehr hoch, auch sehr schön!

Der Galibier ist nicht nur ein sehr hoher Berg, sondern auch ein sehr schöner, was zum einen an der zwar kargen, aber im Vergleich zum Mont Ventoux nicht schroffen Landschaft im oberen Teil liegt, zum anderen aber auch an der beeindruckenden Landschaft, denn von oben bietet sich ein tolles Panorama, umgeben von einigen der höchsten Alpenberge, einschließlich dem schneebedeckten Mont Blanc. 

Trotzdem ist der Galibier bei der Tour de France nur selten das Ziel einer Etappe gewesen. 

Meistens wurde der Galibier lediglich im Vorfeld einer Bergankunft auf einem anderen Berg, am häufigsten Alpe d’Huez, überquert. 

Dabei war der Galibier bereits im Jahr 1911, bei der erst neunten Auflage, Bestandteil einer Tour de France Etappe, also relativ früh. 

Der Galibier war damit sogar der erste Alpenpass überhaupt, der Bestandteil der Tour de France war. Seitdem musste der Galibier im Rahmen der Tour de France immer wieder überquert werden, was ihn auch bei Freizeitfahrern sehr beliebt machte. 

Am Straßenrand der Nordrampe wurden für diese Freizeitradler sogar in regelmäßigen Abständen Müllcontainer mit einem extra breiten Einwurf direkt neben die Straße gestellt, die es ermöglichen sollen, ohne anzuhalten Müll vom Fahrrad aus entsorgen zu können. 

Beeindruckende Solofahrt von Andy Schleck in 2011

Im Jahr 2011, hundert Jahre nach der erstmaligen Überquerung, führte die Tour gleich zwei Mal über den Galibier und die 18. Etappe endete auch oben. 

Den Sieg dort sicherte sich der Luxemburger Andy Schleck nach einer der beeindruckendsten und Solofahrten in der Geschichte der Tour de France, die ihm für einen Tag das Gelbe Trikot bescherte, das er aber nur einen Tag später gleich wieder an den Australier Cadel Evans abgeben musste, der letztendlich auch das gelbe Trikot in jenem Jahr gewann. 

Im Jahr 2013 führte außerdem auch erstmals eine Etappe des Giro d’Italias über den Col du Galibier.

Berg #6: Zoncolan

Der Monte Zoncolan in den italienischen Alpen ist ein Berg, der erst in der jüngeren Vergangenheit Einzug in den Radsport gehalten hat. 

Der Giro d’Italia führte erstmals im Jahr 2003 auf den Zoncolan, auf dem in jenem Jahr die zwölfte Etappe endete. 

Das Leiden, mit dem sich die Profis den Zoncolan hinauf quälten, blieb vielen Radsportfans bis heute in Erinnerung. Seitdem gilt der Zoncolan als der schwierigste und härteste Berg in den Alpen, auch wenn er mit einer Höhe von 1.740 Metern alles andere als besonders hoch ist. 

Bis 23%: Zoncolan gilt als schwierigster Berg in den Alpen

Einen derart steilen Berg hatten die Profis bis dahin noch nie bezwingen müssen und einige von ihnen waren kurz davor, abzusteigen und zu schieben. 

Selbst der Etappensieger Simoni kam bei 23 Prozent Steigung kaum noch vorwärts. Dabei wurde in jenem Jahr mit der Ostanfahrt ab Sutrio noch nicht einmal die steilste Auffahrt in Angriff genommen. 

3 Auffahrten zum Zoncolan

Insgesamt gibt es drei Auffahrten hinauf auf den Zoncolan: Die Westanfahrt ab Ovaro, die Ostanfahrt ab Sutrio und die Ostanfahrt ab Priola, wobei bei den beiden Ostanfahrten die letzten vier Kilometer identisch und unglaublich steil sind. 

Die durchschnittliche Steigung beträgt hier 13 Prozent, maximal sogar 23 Prozent. Am steilsten ist die Auffahrt von Priola aus mit durchschnittlich 12,8 Prozent bei einer Länge von 8,9 Kilometern und 1.190 zu überwindenden Höhenmetern. 

Da die Straße hier teilweise allerdings sehr schmal ist, wurde diese Auffahrt bislang von Profirennen ausgelassen. 

Frederik Böna
Böna am Mont Ventoux

Die Auffahrt von Ovaro aus hat eine durchschnittliche Steigung von 11,5 Prozent auf 10,2 Kilometer und 1.225 zu überwindende Höhenmeter. 

Lediglich die Ostanfahrt von Sutrio aus liegt mit 8,9 Prozent durchschnittlicher Steigung noch unter 10 Prozent Steigung, was allerdings nur daran liegt, dass die ersten Kilometer noch sehr verhalten ansteigen. 

Insgesamt müssen von Sutrio aus 14 Kilometer und 1.190 Höhenmeter bewältigt werden. Die Dramen, die sich im Jahr 2003 hier abspielten, waren so beeindruckend, dass der Zoncolan von da an immer wieder Bestandteil des Giro d’Italias war und auch bei Freizeitfahrern sehr schnell beliebt wurde. 

Simonis Sieg am Zoncolan

2007 führte eine Etappe des Giro d’Italias erstmals ab Ovaro hinauf auf den Zoncolan. Auch diese Etappe gewann Simoni. 

Von da an wurde der Zoncolan im Rahmen des Giro d’Italias in der Regel ab Ovaro in Angriff genommen. Wer hier an diesem Berg nicht in Topform war, verlor sehr schnell auch mal über 20 Minuten Zeit auf den Sieger. 

Besonders beeindruckend war im Jahr 2010 der Sieg Ivan Bassos, der die Konkurrenz fast schon demütigte, so deutlich war seine Überlegenheit.

Den letzten Sieg auf dem Monte Zoncolan erzielte Chris Froome beim Giro d’Italia 2018, den er letztendlich auch gewann.

Berg #7: Mortirolo

Für mich persönlich wird der Mortirolo für immer mit der beeindruckenden Aufholjagd Alberto Contadors auf Fabio Aru, Mikel Landa und Steven Kruijswijk, im Jahr 2015 verbunden bleiben. 

Contador hatte am Fuße des Anstiegs eine Reifenpanne und musste nach einem Reifenwechsel über eine Minute auf die Spitzengruppe, in der das kasachische Team Astana ordentlich Tempo machte, gut machen. 

Nie zuvor saß ich bis dahin so fasziniert vor dem Fernseher und verfolgte die meiner Meinung nach beeindruckendste Aufholjagd des Radsports. 

Contadors Aufholjagd in 2015

Mehr oder weniger im Stile eines Bergzeitfahrens flog Alberto Contador in seinem einzigartigen, tänzelnden Fahrstil den Mortirolo förmlich hinauf, holte Fahrer um Fahrer ein, ließ ihn stehen und zog von dannen, als ob es eine Leichtigkeit wäre. 

Etwa vier Kilometer später hatte Contador tatsächlich wieder zur Spitze aufgeschlossen, ruhte sich dort kurz aus, nur um dann seinerseits anzugreifen. 

Auch wenn er die Etappe letztendlich nicht gewinnen sollte, war ich trotzdem tief beeindruckt von dieser großartigen Leistung. Ebenfalls beeindruckt war ich allerdings vom Mortirolo. 

Eurosport blendete während der Übertragung die aktuellen Steigungsprozente ein und diese waren nur selten nicht im zweistelligen Bereich. 

Bis dahin hatte ich nie zuvor einen derart steilen Anstieg gesehen. 

Tatsächlich gibt es mit einer durchschnittlichen Steigung von 10,5 Prozent auf einer Länge von 12,4 Kilometern und insgesamt 1.300 zu überwindenden Höhenmetern kaum einen steileren Anstieg in den Alpen, vom Zoncolan einmal abgesehen. 

Brutaler Mittelteil beim Mortirolo – selten NICHT zweistellig

Besonders steil ist vor allem der Mittelteil des Anstiegs, der teilweise bis zu 18 Prozent Steigung hat. 

Der Mortirolo ist zwar von verschiedenen Seiten aus befahrbar, im Radsport ist allerdings hauptsächlich die Auffahrt von Mazzo di Valtellina von Bedeutung, was nicht zuletzt am Giro d’Italia liegt, der diese Auffahrt immer wieder im Programm hat. 

Fünf Kilometer vor der Passhöhe erinnert an diesem Anstieg ein Denkmal an den italienischen Radprofi Marco Pantani. 

Ein Preis, mit dem immer der erste Fahrer einer Etappe auf dem Mortirolo ausgezeichnet wird, ist ebenfalls nach Pantani benannt, der Cima Pantani. 

Ich selbst bin den Mortirolo noch nie gefahren, habe das aber für die nächsten Jahre fest geplant. 


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Fotos: Frederik Böna, Pixabay.com, Joachim Heitel

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